Schematherapie

Schematherapie.

Schon mal gehört?

Der Ansatz ist wirklich interessant. Hier das Buch zum Thema:

 

Jeffrey E. Young & Janet S. Klosko:

Sein Leben neu erfinden. Wie Sie Lebensfallen meistern. Den Teufelskreis selbstschädigenden Verhaltens durchbrechen… und sich wieder glücklich fühlen.“

4. Auflage 2012

 

Der Klappentext

Unbefriedigende Beziehungen, ein unbegründeter Mangel an Selbstachtung, das Gefühl, ein unerfülltes Leben zu führen – alle diese Probleme kann man lösen, indem man die Botschaften verändert, die man verinnerlicht hat. Dieses Buch zeigt Ihnen, wie Sie den Teufelskreis selbstschädigender Verhaltensmuster, im vorliegenden Buch `Lebensfallen´ genannt, durchbrechen können. Die renommierten Psychotherapeuten Jeffrey E. Young und Janet S. Klosko nutzen die neuesten Erkenntnisse der kognitiven Therapie, um Ihnen beim Erkennen und Verändern negativer Denkmuster zu helfen.“

 

Die Autoren

Jeffrey E. Young, Ph. D., ist Mitglied der Fakultät der Psychiatrischen Abteilung der Columbia University. Er ist Gründer und Leiter des Cognitive Therapy Center in New York und Connecticut und des Schema Therapy Institute in New York City.

Janet S. Klosko, Ph. D., ist Co-Direktorin des Cognitive Therapy Center von Long Island in New York, Senior Psychologist am Schema Institute und am Woodstock Women´s Health.

 

Die Schematherapie

Jeffrey E. Young hat die Schematherapie vor dem Hintergrund schwer behandelbarer Persönlichkeitsstörungen und anderer komplexer Probleme entwickelt. Die Schematherapie verbindet bewährte Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie mit Elementen psychoanalytischer und erlebensbasierter Therapieverfahren. Dem ging die Erkenntnis voraus, dass „kognitive und verhaltensbezogene Methoden zwar von unschätzbarem Wert sind, zur Veränderung lebenslang bestehender Denk- und Verhaltensmuster aber allein nicht ausreichen.“

Aus dem Vorwort des Kieler Psychotherapeuten Prof. Dr. phil. Heinrich Berbalk:

Das große Interesse an dieser neuen, auch aus der bekannten Kognitiven Therapie hervorgegangenen Psychotherapie ist sicher dadurch mit-begründet, dass Jeffrey Young als deren Begründer die meisten der für psychologische Änderung erfolgreichen Ideen und Vorgehensweisen in der Schematherapie integriert und sie mit weiteren Ideen und Methoden vollendet hat. (…)

Einen ´Wunden Punkt`, ein schmerzliches Thema feststellen, es benennen, im Alltag beobachten und den hinderlichen Charakter dieses Themas zu erkennen, ist der Start zu einer Wende im Leben (…). Jeffrey Young und Janet Klosko zeigen uns den Weg von negativer Selbstbewertung zum Verständnis, wie wir so geworden sind wie wir sind: Wunde Punkte haben sich entwickelt, weil wir schmerzliche Erlebnisse in unserer Entwicklung hatten, vor denen wir uns, so gut es eben ging, zu schützen versuchten. Dieser Schutz und damit die Wunden Punkte selbst waren zum Leben notwendig. Die Wunden Punkte werden jedoch zur Lebensfalle oder zum Hinderlichen Schema, wenn die Person und die Umgebung sich verändern: das Kind wird erwachsen und unabhängig, die Person erlebt sich dennoch unvollkommen und bedroht wie ein Kind (…). Sich-besser-verstehen ist der Ausgangspunkt für eine Wende im Leben. `Sein Leben neu erfinden´ erfordert oft, den Schmerz der Vergangenheit zuzulassen und zu verstehen. Es ist dabei wichtig zu erleben, dass der Schmerz zugefügt und nicht selbstverschuldet war. Die Erkenntnis daraus: Ich bin nicht defekt, stattdessen habe ich mich wacker geschlagen!“

 

Das Buch

Das Selbsthilfebuch enthält 17 Kapitel:

Die ersten fünf beschäftigen sich mit einer Einführung zum Thema Lebensfallen. Es findet sich ein Testbogen zur Identifizierung bestehender Lebensfallen, es geht um das Verstehen von Lebensfallen, die drei damit verbundenen Reaktionen Sich-Ergeben, Flucht und Gegenangriff und das Verändern von Lebensfallen.

Die nächsten 11 Buchkapitel sind den 11 verschiedenen Lebensfallen gewidmet (s.u.).

Das 17. und letzte Kapitel beschreibt eine Philosophie der Veränderung.

 

Die 11 Lebensfallen

Definition: Eine Lebensfalle ist „ein Muster oder ein Thema, das in der Kindheit entstanden ist und das sich im gesamten Leben wiederholt.“ „Eine Lebensfalle kämpft hartnäckig um ihren Fortbestand. Wir empfinden einen starken Drang, sie zu erhalten. Der Grund ist das menschliche Streben nach Stetigkeit. Die Lebensfalle ist das, was wir kennen. Sie verursacht zwar Schmerzen, ist uns aber auch vertraut und angenehm. Deshalb ist es so schwierig, Lebensfallen zu verändern. Außerdem sind sie meist in unserer Kindheit entstanden und waren in dieser Zeit angemessene Anpassungen an die Situation in unserer Familie. So adäquat diese Muster in unserer Kindheit waren, so problematisch ist es, dass wir sie auch dann aufrechterhalten und reinszenieren, wenn ihr Nutzwert eindeutig nicht mehr existiert.“

 

Zwei Lebensfallen hängen mit einem Mangel an Sicherheit zusammen, den du als Kind in deiner Ursprungsfamilie empfunden hast. Das sind:

1. Verlassenheit

Diese Lebensfalle beinhaltet das Gefühl, dass die Menschen, die du liebst, dich verlassen werden und dass du emotional dein ganzes Leben lang isoliert bleiben wirst.

2. Misstrauen und Missbrauch

Diese Lebensfalle beinhaltet die Erwartung, dass andere Menschen dich auf irgendeine Weise verletzen oder misshandeln bzw. missbrauchen werden – dass du betrogen, angelogen, manipuliert, gedemütigt, körperlich verletzt oder auf andere Weise schlecht behandelt wirst.

 

Zwei Lebensfallen beziehen sich auf deine Fähigkeit, in der Welt unabhängig zu leben:

3. Abhängigkeit

Wenn du in dieser Lebensfalle gefangen bist, fühlst du dich unfähig, dein Alltagsleben ohne massive Unterstützung von Seiten anderer zu bewältigen und benötigst permanent die Hilfe anderer Menschen.

4. Verletzbarkeit

Wenn diese Lebensfalle bei dir eine wichtige Rolle spielt, lebst du unter dem ständigen Einfluss der Angst, dass in Kürze ein Unglück geschehen wird – eine Naturkatastrophe, ein Verbrechen, eine lebensgefährliche Erkrankung oder ein finanzielles Desaster.

 

Zwei Lebensfallen hängen mit der Stärke deiner emotionalen Verbindungen zu anderen Menschen zusammen:

5. Emotionale Entbehrung

Diese Lebensfalle beinhaltet die Überzeugung, dass andere Menschen dein Bedürfnis nach Liebe niemals ausreichend erfüllen werden. Du hast das Gefühl, niemandem wirklich wichtig zu sein oder von niemandem völlig verstanden zu werden.

6. Soziale Isolation

Bei dieser Lebensfalle geht es um deine Beziehungen zu Freunden und Gruppen. Du fühlst dich vom Rest der Welt isoliert oder fühlst dich anders als alle Menschen, die du kennst.

 

Die beiden Lebensfallen, die mit Selbstachtung in Zusammenhang stehen, sind:

7. Unzulänglichkeit

Wenn du unter dieser Lebensfalle leidest, fühlst du dich innerlich mit Makeln behaftet und unzulänglich. Du glaubst, dass du jedem, der dir so nahe kommt, dich wirklich kennenzulernen, als grundsätzlich nicht liebenswert erscheinen musst. Weil der Betreffende deine Unzulänglichkeit dann deutlich wahrnehmen würde.

8. Versagen

Diese Lebensfalle beinhaltet die Überzeugung, dass du in Bereichen, in denen es auf Leistung ankommt, nicht mithalten kannst – z.B. in der Schule, im Beruf und im Sport. Du glaubst, verglichen mit anderen in deiner Altersgruppe versagt zu haben.

 

Bei zwei Lebensfallen geht es um Selbstausdruck:

9. Unterwerfung

Bei dieser Lebensfalle opferst du deine eigenen Bedürfnisse und Sehnsüchte auf, um anderen zu gefallen oder deren Bedürfnisse zu erfüllen. Du lässt zu, dass andere über dein Handeln entscheiden. Das tust du entweder aus einem Schuldgefühl heraus (weil du fürchtest, andere Menschen zu verletzten, wenn du deinen eigenen Interessen den Vorrang gibst) oder aus Angst davor, bestraft oder verlassen zu werden, wenn du nicht gehorchst.

10. Überhöhte Standards

Wenn bei dir diese Lebensfalle eine Rolle spielt, versuchst du unablässig, extrem hohen Erwartungen an dich selbst gerecht zu werden. Du misst dabei deinem sozialen Status, Wohlstand, Erfolg, Schönheit, Ordnung oder Anerkennung größere Bedeutung bei als Glück, Freude, Gesundheit, dem Gefühl etwas erreicht zu haben und befriedigenden Beziehungen.

 

Die letzte der im Buch beschriebenen Lebensfallen hängt mit der Fähigkeit zusammen, realistische Grenzen zu akzeptieren:

11. Anspruchshaltung

Menschen, bei denen diese Lebensfalle eine Rolle spielt, haben das Gefühl, etwas Besonderes zu sein. Sie behaupten, sie könnten auf der Stelle alles tun, sagen oder bekommen, was sie wollten. Sie kümmern sich nicht darum, was andere für vernünftig halten, was tatsächlich machbar ist usw. Es fällt ihnen schwer, sich zu disziplinieren.

Die Autoren beschreiben in jedem Kapitel die jeweilige Lebensfalle und inkludieren einen Testbogen zur Einschätzung der Relevanz. Sie führen aus, wie ein betroffener Mensch die jeweilige Lebensfalle erlebt, wie diese überhaupt entsteht und listen Gefahrensignale auf. Es folgen Ausführungen zur Veränderung der betreffenden Lebensfalle in verschiedenen Schritten. Jedes Kapitel wird durch konkrete Fallgeschichten veranschaulicht und damit greifbarer.

 

Lebensfallen verstehen

Du kannst Lebensfallen an drei zentralen Merkmalen erkennen:

1. Es handelt sich um lebenslange Muster oder Themen

2. Sie wirken selbstschädigend.

3. Sie kämpfen um ihr Überleben.

 

Die Philosophie der Veränderung

Im Rahmen ihrer Philosophie der Veränderung beschreiben die beiden Autoren sieben Grundannahmen der Veränderung und fünf zentrale Bereiche des Wachstums.

 

Sieben Grundannahmen:

1. Es gibt in uns allen einen Teil, der glücklich und erfüllt sein möchte.

2. Es gibt mehrere grundlegende Bedürfnisse (z.B. das Bedürfnis nach

Beziehung, das nach Autonomie oder das Bedürfnis nach Spaß, Freude und

Kreativität) und die meisten von uns sind glücklicher, wenn diese erfüllt werden.

3. Menschen können sich grundlegend verändern.

4. Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass wir grundlegende Lebensfallen verändern,

wenn wir uns nicht sehr bewusst dafür entscheiden.

5. Die meisten von uns meiden Schmerz, was Vor- und Nachteile hat.

6. Es gibt keine bestimmte Veränderungstechnik, die bei allen Menschen zum Erfolg

führt.

7. Veränderung braucht eine persönliche Vision und eine konkrete Zielvorstellung.

 

Fünf zentrale Bereiche des Wachstums:

1. Beziehungen

2. Autonomie

3. Selbstachtung/Selbstwertgefühl

4. Selbstbehauptung/Selbstausdruck

5. Sorge für andere.

 

Zur Beschreibung dessen, was Young und Klosko für eine gesunde Einstellung zur Veränderung halten, haben sie den Begriff der „empathischen Selbstkonfrontation“ entwickelt. Dabei geht es darum, dass du während deines unablässigen Strebens nach Veränderung dir selbst gegenüber Mitgefühl zeigst. „Viele Menschen kritisieren sich entweder zu stark, wenn sie glauben, sie hätten sich nicht genügend verändert, oder sie sind zu nachsichtig und erfinden Ausreden, um den ausbleibenden Erfolg zu entschuldigen.“

Als sehr wesentlich sehe ich auch die folgenden Ausführungen an: „Leider ist es in manchen Fällen nicht möglich, Veränderungen in kleinen Schritten zu erreichen, sondern ein mit einem hohen Risiko verbundener beherzter Sprung ist erforderlich. Manchmal müssen wir drastische Veränderungen vornehmen, um zu wachsen; dazu zählt, eine Beziehung zu beenden, eine andere Stelle anzunehmen oder sich einem neuen Beruf zuzuwenden, sowie, in eine andere Stadt umzuziehen. Wenn wir uns unserer natürlichen Neigungen bewusster werden und unsere Lebensfallen überwinden wollen, müssen wir manchmal in drastischer Weise mit unserer Vergangenheit brechen. Um zu dem Erwachsenen zu werden, der Sie sein wollen, müssen Sie zuweilen die Sicherheit liebgewonnener Kindheitsmuster aufgeben.“

 

Mein Fazit

Ein wirklich neuer Ansatz der Psychotherapie, der mir in seiner integrierenden und individuellen Ausrichtung äußerst interessant und pragmatisch erscheint.

Das letzte Kapitel könnte aufgrund seiner grundlegenden Ausrichtung und seiner wundervollen Mischung aus Pragmatismus und Realismus einerseits und Hoffnung und Vision andererseits auch gut das erste Kapitel zur Einstimmung sein.

Die Inhalte sind sachlich klar, komplex und ohne Beschönigung wiedergegeben. Empathische Anmerkungen und die eingestreuten Fallbeispiele sorgen dafür, dass das Selbsthilfebuch bei aller Sachlichkeit nicht kalt und abschreckend wirkt. Vielmehr liefert die „Philosophie der Veränderung“ am Schluss eine Extraportion Hoffnung und Motivation durch eine kraftvolle Vision der Veränderbarkeit des Menschen. Eine klare Aufteilung des Buches insgesamt und auch der einzelnen Kapitel sorgt für eine gute Lesbarkeit und Übersichtlichkeit. Verschiedene Schauboxen mit Stichpunkten ermöglichen das rasche Wiederfinden und Überblicken wesentlicher Informationen.

Irritierend finde ich, dass der Begriff „Schematherapie“ weder im Titel noch auf dem Umschlagtext explizit erscheint. Erst bei der Kurzvorstellung der beiden Autoren findet sich ein Hinweis auf das „Schema Therapy Institute“. Hm, entweder wird vom Buchverlag vorausgesetzt, dass die Leser schon wissen, welchen Hintergrund Young und Klosko mitbringen oder man geht davon aus, dass sich der Zusammenhang beim Lesen ja von selbst ergibt. Dennoch würde ich einen klaren Hinweis bereits im Buch- oder Untertitel hilfreich finden.

Insgesamt ein lesenswertes Sach- und Selbsthilfebuch und ohne Frage eine wertvolle Ergänzung auf der Palette der psychotherapeutischen Ansätze. Gibt´s übrigens auch in der Ausleihe der Hamburger Öffentlichen Bücherhallen, die im Bereich Psychologie/Persönlichkeitsveränderung beeindruckend gut sortiert und ansonsten auch offen für Anschaffungsvorschläge sind!

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Foto: Pixabay

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