Warum ist es ein Riesen-Fehler, den Tod auszusperren?

 

Der Brief

Schwarzer Rand. Auf einem Briefumschlag ohne Absender. OH NEEIINN!!! NEIN! NEIN! NEIN! Ich weiß es sofort. Miriam… Mir stockt der Atem. Meine Knie werden weich. Mir wird heiß und kalt. Die Tränen laufen. Ein heißer Knoten im Bauch. Alles auf einmal. Ich komme nicht mehr bis zu meiner Wohnung im ersten Stock. Die Füße tragen mich nur bis zu den untersten Stufen im Treppenhaus. Ich setze mich. Reiße den Umschlag mit zitternden Fingern auf. Nur um zu lesen, was ich eh schon weiß. Fassungslosigkeit. Es einfach nicht wahr haben wollen. Es ist aber wahr. Sie ist weg. Und es wird nie wieder so sein wie vorher.

Die beste Freundin

Gebärmutterkrebs. Ein Gebilde so groß wie ein Schwamm. Hat sie von innen aufgefressen. Meine beste Freundin. Die in Barmbek wohnte, ich in Winterhude. Beide so nah, dass es auch in vollen Zeiten immer für unser „Ründchen“ durch den Stadtpark reichte. Treffpunkt: Der Teich mit den ferngesteuerten Schiffchen drauf.

Wir hatten uns in einem Wochenend-Seminar in Altona kennengelernt. Bei der Begrüßungsrunde waren wir die beiden einzigen, die nicht aus Hamburgs Westen kamen. Sondern aus Barmbek. In der Pause fragte ich sie, wo sie denn in Barmbek wohne. Sie nannte die Straße und ich rief: „Nicht wahr!?!“ Es war nämlich genau die Straße, in die ich gerade mit meinem Freund gezogen war, nur genau am entgegen gesetzten Ende. Am Abend nahm sie mich in ihrem schrottigen und quietschenden und knarzenden alten VW Golf mit, am nächsten Morgen wieder und auch am Abend. Von da an waren wir Freundinnen. Weit über zehn Jahre. Bis der Tod uns schied. Ihr Tod. Jetzt.

Wir hatten eine intensive, ehrliche und offene Freundschaft. Dennoch blieb sie immer der Mensch, der eigentlich alles mit sich selbst ausmachte. Auch die Krankheit. Ich gewöhnte mich daran, dass sie in schweren Phasen immer abtauchte. Und genauso regelmäßig wieder auftauchte. Das Merkwürdige dabei: Man sah ihr die schwere Krankheit nicht an. Nichts. Nie. Und ich schaute genau hin! Das unterstützte das Nicht-Wahr-Haben-Wollen. Irgendwie war es immer so, als habe sie nicht „richtig“ Krebs. Manches, was sie oder andere erzählten, sprach dafür. Manches dagegen. Irgendwie irreal.

Ihr Weg

Ich konnte verstehen, dass sie nach diversen negativen Erfahrungen mit Ärzten und Krankenhäusern die klassische Behandlung ablehnte. Als sie aber von immer abgefahreneren Behandlungsmethoden und Gurus berichtete, fand ich das irgendwann nur noch gefährlich und haarsträubend. Sie machte aber auf ihre ruhige, klare, nicht aggressive Art unmissverständlich deutlich, dass sie nichts als Unterstützung wünschte. Okay, wenn eine erwachsene, mündige, klare Person das so wünscht, muss ich mich dem beugen. Und ersticke nun gerade daran. In Tränen.

Erst bei der Trauerfeier erfuhr ich von ihrer längsten Freundin, dass sie den Abschiedsbrief an ihre Freundinnen schon mindestens ein Jahr vor ihrem Tod verfasst hatte. Ich behielt das natürlich für mich, aber innerlich flippte ich aus und fühlte mich verarscht. Sie hat es die ganze Zeit schon gewusst. Ich fühlte mich betrogen. Aber auch hier wieder: Sie hat es so gewollt. Sie wollte so lange wie möglich Miriam für uns bleiben. Und nicht die Krebskranke werden.

Keine Wahl

Und nun also der Tag, an dem ich diesen scheiß Brief nach der Arbeit aus dem Briefkasten fische. Und sie jetzt nicht ein weiteres Mal nach einer weiteren schlechten Phase auftaucht, so als sei gar nichts los. Jetzt ist sie abgetaucht. Für immer. Tot.

Ich will das nicht! Ich will, dass sie lebt. Ich will sie behalten. Ich will mich nicht wie eine schlechte Freundin fühlen. Wie eine Versagerin. Weil ich nicht bei ihr war. Weil ich mich nicht verabschiedet habe. Weil ich es irgendwie die ganze Zeit nicht glauben konnte. Oder wollte. Bis jetzt. Jetzt habe ich keine Wahl mehr.

Das Leben geht weiter

Das Leben geht weiter. Einfach so. Der banale Alltag. Es fühlt sich alles falsch an. Seebestattung, kein Grab. Ich finde das schrecklich. Noch nicht mal ein Ort. Ein Erinnerungsort. Ein Gedenkort. Mit Stein und Namen und vielleicht einem Engel. Nichts. Einfach weg. Spurlos – auf eine äußere Weise. Ich bin so erstarrt, eingefroren, gelähmt, dass ich monatelang kaum weine. Ein bisschen bei der Trauerfeier. Sehr, als ich noch einmal in ihrer Wohnung bin. Aber ich kann nicht richtig trauern.

Rede mit anderen ihrer Freundinnen. Rede mit ihrem Exmann, der ein guter Freund für sie war. Aber irgendwie kann ich in diesen Gesprächen nicht finden, was ich suche. Ich weiß auch gar nicht, was ich suche.

Kalte Professionalität

Monate nach ihrem Tod bekomme ich diffuse körperliche Symptome. Schnell wird mir klar: Das ist ungelebte, verdrängte Trauer. Und genauso schnell wird mir klar: Ich muss etwas tun. Zum Glück gibt es in einer Metropole wie Hamburg Orte, die für die Trauer eingerichtet wurden. An denen professionelle Trauerbegleiter arbeiten. Ich fahre hin, blättere in Büchern, führe ein Einzelgespräch und nehme an einer Trauergruppe teil. Wir reden, weinen, hören zu, lernen etwas über die Trauer im Allgemeinen und Besonderen, malen, führen Rituale durch, tauschen uns aus. Nach Wochen geht es mir besser. Es hilft mir. Was mich aber stört, ist die ausgeprägte Professionalität der Mitarbeiterin. Sachlich, nüchtern, unberührt, unpersönlich, kühl. Mir fehlt Wärme, Berührtsein, Gefühl, Beziehung.

Das Leben lehrt – Warum ich Trauer begleite

Ich glaube, man kann Trauerbegleitung nur bedingt lernen. Ein sehr erfahrener Psychologe sagte einmal zu mir: Die beste Therapie ist das Leben.“ Ich ändere das ab in: Der beste Lehrer oder Lehrtherapeut ist das Leben.“

Ich habe in den mittlerweile fünf Jahrzehnten meines Lebens so viel erlebt. Das Leben hat mich so vieles gelehrt. Auch wenn es hart und schwer war, nehme ich das als Geschenk zur Weiterentwicklung. Und habe eine Menge Erfahrung, die ich in meiner Arbeit als Psychotherapeutin gerne für andere nutze. Das ist sicher ein Grund, warum ich gerne Trauerbegleitung mache, auch wenn das komisch klingt. Wenn ich leidvolle Erfahrungen letzten Endes als Wachstumsquellen annehmen kann, bekommen sie einen Mehr-Wert, wenn ich das teilen kann. Wenn andere auch etwas davon haben. Ich liebe das Leben, das Glück, die Liebe, die Leichtigkeit. Aber Tod und Trauern gehören dazu und ich habe mittlerweile immer weniger Angst davor. Angst schon. Die finde ich auch „normal“. Wer verliert gerne eine geliebte Person? Wer verliert gerne das eigene Leben? Wen lässt es kalt, nicht zu wissen, was kommt? Wen lassen all diese Fragen kalt? Mich nicht. Und ich will das auch gar nicht.

Kindheit

In den letzten Jahrzehnten habe ich so viele verloren, um nur einige zu nennen:

Als Vorschulkind haben mich meine Eltern auf die Beerdigung meines Opas nach Hessen mitgenommen. Ich kannte ihn nicht und verstanden habe ich auch nichts. Meine Mutter wurde später nicht müde zu erzählen, dass ich mitgeweint habe, als ich sie habe weinen sehen.

Sie wiederum weinte später mit mir, als ich um meinen Kater Peter heulte, der als betagter und griesgrämiger alter Herr eines Tages einfach nicht mehr nach Hause kam.

In der Grundschule verschwand ein Mitschüler aus unserer Klasse. Seine Mutter hatte sich und ihre Kinder umgebracht. Im Auto. Mit den Abgasen, durch einen Schlauch nach innen geleitet. Finanzielle Sorgen, hieß es. Unsere sonst so beherrschte Lehrerin drehte durch. Wie liefen am Nachmittag durch das ganze Viertel und erzählten es allen, die wir kannten. Trauerverarbeitung durch Reden. Trauerverarbeitung durch Mitteilen.

Jugend

Als ich gerade ins wilde und renitente Teenie-Alter eingestiegen war, starb meine geliebte Tante Hilde innerhalb weniger Monate an Darmkrebs. Im April hatte sie noch die Silberhochzeit meiner Eltern ausgerichtet, im Sommer war sie tot. Ich war mit meinen Eltern einen ganzen Tag im Zug unterwegs, um sie für ein paar Minuten in desinfizierten Klamotten auf der Intensivstation im Krankenhaus von Eschwege zu besuchen. Die Erinnerung an die gespielte Fröhlichkeit und die Verlogenheit an ihrem Sterbebett schnürt mir heute noch die Kehle zu. Der Totenmarsch hinter dem Leichenwagen her von ihrem Haus bis zum Friedhof war herzzerreißend. Wahrscheinlich der längste Weg meines Lebens. Ich glaube, ich habe eimerweise Tränen dabei vergossen. Meine Mutter riet mir, nicht an den offenen Sarg zu treten, sondern die Tante lieber wie gewohnt in Erinnerung zu behalten. Ich bereue noch heute, dass ich auf sie und nicht auf mein Herz gehört habe. Ich halte sehr viel von: „Let´s face the facts.“ Ich glaube, das ist ebenso schmerzhaft wie heilsam. Nein, ich glaube es nicht, ich weiß es. Das habe ich dann über dreißig Jahre später am Sterbebett meiner Mutter erlebt.

Seitdem

Seit Tante Hildes Tod weine ich jedes Mal, wenn im Film jemand stirbt. Auch wenn ich den Film oder die Figur total blöd finde. Und ich träume bis heute immer mal wieder von ihrem Tod und wache tränennass davon auf, dass ich „Tante Hilde!“ rufe. 24 Jahre später bin ich noch einmal in das Dorf gefahren. Habe das Grab besucht, noch einmal im Wachzustand „Tante Hilde!“ gerufen und noch einmal bitterlich um diesen schmerzhaften Verlust meiner frühen Jugend geweint. Bin auf den Bauernhof ihres Nachbarn gelaufen und habe mit ihm Kaffee getrunken und geredet. Habe mir alles angeguckt und war irgendwie tief beruhigt, dass sich in all der Zeit fast nichts verändert hat. Und wusste, dass ich nie mehr zurückkehren würde. Nachdem ich schon 24 Jahre damit gerungen hatte, da hin zu fahren. Was mir ein großes großes Bedürfnis gewesen war. Aber gleichzeitig war da lange Zeit eine große Angst vor was auch immer gewesen, die mich abgehalten hatte. Aber nun war es gut und ich habe das für mich abgeschlossen. Die Träume sind schon lange nicht mehr aufgetaucht und bei Filmtoden muss ich auch nicht mehr immer weinen.

Als Teenie hatte ich keinen guten Weg der Trauerverarbeitung gefunden. Sicher war ich zu geschockt und überfordert. Und genervt von dem Trauerprozess meiner Mutter, den ich völlig ablehnte. Der war mir zu demonstrativ zur Schau gestellt, mehr Weltschmerz als Trauer, mehr Depression als Trauer, ich konnte es kaum ertragen. Da blieb dann nicht mehr genug Raum, einen eigenen Weg zu finden. Aber jetzt isses gut.

In Studienzeiten starb meine Oma und bei der Trauerfeier verbündeten sich meine Schwester und ich ausnahmsweise mal für eine kleine Weile miteinander gegen die Familie und hauten vor dem Kaffee einfach zusammen ab, weil wir das alles so unehrlich fanden.

Die Mutter

2014 starb meine Mutter und schien damit so lange gewartet zu haben, bis ich es von Norddeutschland nach Düsseldorf geschafft hatte und mich von ihr verabschieden konnte. Das war essentiell für mich. Ihr zuzuflüstern, dass ich sie lieb habe, sie ringen zu sehen und sie am nächsten Morgen tot in ihrem Bett liegen zu sehen. Ein sehr erschreckender Anblick. Aber heilsam konfrontierend. Das kann ich nicht wirklich erklären. Aber es ist so. Das hat was zu tun mit: mit eigenen Augen sehen, das Unabänderliche anerkennen, das Unglaubliche glauben lernen, den Lauf des Lebens bezeugen.

Warum?

Die große Frage, ob das vielleicht zum Teil nur deshalb so erschütternd ist, weil wir das überhaupt nicht kennen, so eine Situation. Weil der Anblick so völlig fremd ist. So absolut negativ besetzt. So schockierend. Warum schockt uns etwas so Natürliches so abgrundtief? Warum schieben wir das weg? Aus unserem Leben, aus unseren Häusern, aus unseren Gesprächen? Ich finde das falsch. Völlig falsch. Wir nehmen uns etwas. Der Tod gehört zum Leben. Das ist so. Er ist ein Teil unserer Natur, des großen Ganzen. Und wir könnten besser leben und sterben und trauern, wenn wir nicht so täten, als gäbe es ihn nicht. Wenn wir ihn nicht wegsperren und wegorganisieren würden. Türen zu. Augen zu. Herzen zu. Mauer um den Friedhof. So geht das nicht!

Haus mit Garten

Allein die paar Jahre, als ich auf dem Land ein Haus mit Garten hatte, haben meine Wahrnehmung diesbezüglich entscheidend verändert. Die Natur im Lauf der Jahreszeiten so bewusst zu erleben. Werden und Vergehen. Erblühen und verwelken. Wachsen und Absterben. So viel Kraft. So viel Energie. Immer und immer wieder. Ein ganz anderes Erleben als in der Stadt. Wirklich am Kreislauf der Natur teilnehmen. Und so viele tote Tiere auf der Wiese, die vor allem die blöden Katzen der Nachbarn des Nachts zur Strecke gebracht hatten. Ganz hinten am Zaun wuchs im Laufe der Jahre ein kleiner Friedhof. In die Tonne werfen konnten wir die ganzen Vögel nicht. Das brachten wir nicht übers Herz. Mit der Zeit wurden wir cooler. Als wir dann aber ein geköpftes Kaninchenkind begruben, waren wir ziemlich uncool.

Trauern oder nicht

Ich habe in meinem Leben Menschen verloren. Und andere dabei beobachtet. Seitdem weiß ich – es gibt:

Trauern und Wegschieben. Trauern und Ablenken. Trauern und sich da völlig hineinsteigern. Trauern und Erstarren. Trauern und Saufen. Trauern und Arbeiten. Und und und. Man kann so vieles tun, statt anständig zu trauern. Man kann so vieles machen, statt in den Prozess rein zu gehen, da durch zu gehen und wenn es gut ist, wieder rauszugehen. Trauern isses. Trauern statt wegschieben oder sich reinfallen zu lassen.

Der Prozess

Ich habe getrauert. Und andere dabei beobachtet. Und ich weiß jetzt:

Man kann erfolgreich und nicht erfolgreich trauern. Beziehungsweise trauern oder alles Mögliche machen, um es zu verhindern. Das hilft aber nichts. Trauer will gelebt werden. Trauer will verarbeitet werden. Trauer will durchschritten werden. Und erst wenn es genug ist, ist es genug. Und natürlich ist der Prozess nicht linear. Es gibt Phasen. Rückfälle. Weitergehen. Zwei Schritte vor, einer zurück. Drei Schritte vor, einer zurück. Oder so ähnlich.

Der Trauerprozess hat einen klaren Beginn: Der Moment des Verlusts eines geliebten Menschen. Sein Ende ist weniger klar. Art und Dauer werden von der eigenen Persönlichkeit, den Todesumständen, der Qualität der Beziehung und sicher auch von anderen Punkten wie der Stabilität des eigenen Lebens und der Qualität des sozialen Umfelds beeinflusst.

Phasen

Psychologen unterscheiden i.d.R. vier verschiedene Phasen des Trauerprozesses:

Die erste Phase ist Nicht-Wahrhaben-Wollen. Betäubung, Schock, Verzweiflung, Hilf- und Ratlosigkeit stehen im Vordergrund. In der zweiten Trauerphase brechen Emotionen wie Schmerz, Wut, Traurigkeit und Angst auf. Eine verzögerte Gefühlsreaktion quasi. Fragen kommen hoch, Antworten eher nicht. In der dritten Phase geht es um Suchen, Sehnen und Sich-Trennen. Suchen nach dem verlorenen Menschen, nach Erinnerungen. Es werden innere Gespräche mit ihm geführt. Jede Menge. Immer und immer wieder. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem es reicht, wo es ein Ja zum Leben gibt. Die vierte Trauerphase ist die eines neuen Selbst- und Weltbezugs, die Phase der Neuorganisation. Nachdem Schmerz und all die anderen Emotionen raus durften, kehren allmählich Ruhe und Frieden ein. Das Leben geht weiter und allmählich wird klar, dass das auch gut so ist und es werden neue Pläne geschmiedet.

Meine Bilder

Ich kann diese Phasen nachvollziehen, betrachte den Prozess aber eher etwas anders:

Ich betrachte das Ganze eher in Bildern. Kreise zum Beispiel. Kreise, die sich öffnen und schließen, öffnen und schließen. So lange, bis die Sache wirklich rund ist.

Auch beobachte ich, dass es oft Etappen von drei Monaten zu geben scheint, in denen sich Wesentliches tut und die Situation sich dann wiederum ändert.

Ein anderes Bild sind Spiralen, wie die Zufahrt von Parkhäusern. Man kreist und kreist und kreist um die Sache und bewegt sich dabei allmählich immer höher, manchmal mit einem beträchtlichen Schwindelgefühl dabei, wenn´s zu schnell geht. Manchmal rollt man auch zurück und das fühlt sich gar nicht gut an. Alte Knöpfe werden gedrückt, alte Muster kommen hoch, Trauer, Wut, Angst und es scheint so, als sei nichts passiert. Als käme man da nie raus. Als sei die tolle Entwicklung nur eine Fata Morgana gewesen, die sich plötzlich wieder auflöst. Das stimmt aber nicht. Verarbeitung und Veränderung brauchen Zeit.

Alles hat seine Zeit

Und alles hat seine Zeit. Da fällt mir einer der schönsten Texte der Bibel ein. Prediger 3, 1 – 12 nach der Lutherbibel:

Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde. Geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit; töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit; abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit; weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit; Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit; herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit; suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit; behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit; zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit; schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit; lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit; Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit.

Man mühe sich ab, wie man will, so hat man keinen Gewinn davon. Ich sah die Arbeit, die Gott den Menschen gegeben hat, dass sie sich damit plagen. Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende. Da merkte ich, dass es nichts Besseres gibt als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben.

Was ich glaube

Das lasse ich jetzt so stehen und ende mit einer Art Glaubensbekenntnis. Ich glaube, dass gelebte Trauer mittel- und langfristig zu folgendem führt:

  • Begegnung

  • Veränderung

  • Glück und Liebe.

Begegnung mit sich selbst, mit anderen Menschen und mit den Prinzipien des Lebens und eben auch dem Tod. Echte Begegnung.

Veränderung durch den erzwungenen Prozess. Ein Prozess des Annehmens des Unabänderlichen. Ein Prozess des Abschiednehmens. Ein geliebter Mensch geht und die damit verbundenen Träume, Wünsche, Sehnsüchte und Hoffnungen. Ein Prozess, der uns auf uns selbst zurückwirft. Wenn etwas endet, kann etwas Neues entstehen. Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich woanders eine neue.

Glück und Liebe? Durch Begegnung und Veränderung wird wieder Energie frei. Frei für etwas Neues, eine neue Lebensphase als veränderte Person. Trotz des Verlustes gibt es so viel Reichtum im Leben. Und so viel Liebe. Menschen haben unterstützt und ihre Zuneigung vielleicht deutlicher gezeigt als sonst im Alltag. Dankbarkeit entsteht durch die Erfahrung des Getragen-Werdens und der Begleitung.

Dabei denke ich nicht nur an Trauer bei Tod, sondern auch an Trauer bei Trennungen, Liebeskummer, geplatzten Plänen und Träumen, großen Einschnitten im Leben, der Erkenntnis, dass mein Kind völlig anders ist als gedacht usw.

Meine Arbeit

In der Praxis EINKLANG-HARBURG begleite ich dich auf Wunsch gerne bei deinen Verarbeitungsprozessen.

EINKLANG-HARBURG ist nicht nur eine Praxis für Entspannung, Meditation und Psychotherapie/Beratung. EINKLANG-HARBURG ist ein Ort der Begegnung, der Veränderung, des Glücks und der Liebe.

Gönne dir Begleitung, du musst nicht alles alleine wuppen. Lern mich kennen und erfahre das Gefühl des Gut-Aufgehoben-Seins, weil es einfach passt und richtig ist. Ich freue mich auf dich und auch deine Tränen sind hier sehr willkommen.

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Bild-Quellen:

Trauer, liegend: Pixabay/rmac8oppo, Katze: Pixabay, Friedhofsmauer: Pixabay/erge, Spirale: Pixabay/msandersmusic, Bibel: Pixabay/sachbearbeitung

 

 

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