Die Nachtigall
Das macht, es hat die Nachtigall
Die ganze Nacht gesungen;
Da sind von ihrem süßen Schall,
Da sind in Hall und Widerhall
Die Rosen aufgesprungen.
Das macht, es hat die Nachtigall
Die ganze Nacht gesungen;
Da sind von ihrem süßen Schall,
Da sind in Hall und Widerhall
Die Rosen aufgesprungen.
Und nun wollen wir glauben an ein langes Jahr,
das uns gegeben ist,
neu, unberührt,
voll nie gewesener Dinge, voll nie getaner Arbeit,
voll Aufgabe, Anspruch und Zumutung;
und wollen sehen, dass wirs nehmen lernen,
ohne allzuviel fallen zu lassen von dem, was es zu vergeben hat,
an die, die Notwendiges, Ernstes und Grosses von ihm verlangen. . . .
Guten Neujahrsmorgen . . .
(Rainer Maria Rilke, 1875-1926)
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Foto: Pixabay
Das innere Weihnachten ist,
verwegenen Möglichkeiten wieder eine Chance zu geben.
Es ist die Überzeugung,
dass sich die Liebe lohnt
und jeder Schritt in die Liebe Leben erhält.
Es ist der Glaube,
dass das Unscheinbare nicht das Unwichtige ist,
und dass das Kleine oft große Konsequenzen hat.
Es ist der Glaube,
dass wir mit der unfassbaren Welt verbunden sind,
auch wenn wir es nicht immer spüren und beweisen können.
Es ist,
sich selbst wertzuschätzen,
nicht in einem kleinen vordergründigen Egoismus,
aber in der Erkenntnis,
dass wir göttlichen Ursprungs sind.
(Ulrich Schaffer)
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Herbstabend
Wind aus dem Mond,
plötzlich ergriffene Bäume
und ein tastend fallendes Blatt.
Durch die Zwischenräume
der schwachen Laternen
drängt die schwarze Landschaft der Fernen
in die unentschlossene Stadt.
(Rainer Maria Rilke)
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Joseph von Eichendorff – Mondnacht
Es war, als hätt der Himmel
die Erde still geküsst,
dass sie im Blütenschimmer
von ihm nun träumen müsst.
Die Luft ging durch die Felder,
die Ähren wogten sacht,
es rauschten leis die Wälder,
so sternklar war die Nacht.
Und meine Seele spannte
weit ihre Flügel aus,
flog durch die stillen Lande,
als flöge sie nach Haus.
Frühling lässt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
– Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist’s!
Dich hab‘ ich vernommen!
Zu Neujahr
Will das Glück nach seinem Sinn
Dir was Gutes schenken,
Sage Dank und nimm es hin
Ohne viel Bedenken.
Jede Gabe sei begrüßt,
Doch vor allen Dingen:
Das, worum du dich bemühst,
Möge dir gelingen.
Wilhelm Busch (1832-1908)
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Weihnachten
Zeit der besonderen Schmerzen,
der stechenden Einsamkeit für viele,
Zeit, in der die eigene Leere auftaucht
wie ein Gespenst
und Kerzen und Atmosphäre
sie nicht zudecken können.
Gesucht sind da Menschen,
wie du und ich,
die Hoffnung haben,
die Wärme verbreiten können,
die echtes Interesse am andern haben
und glauben,
dass Gott sich dem Menschen zuwendet
in Liebe,
schon immer
und gerade jetzt.
(Ulrich Schaffer)
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Ein milder Wintertag
An jenes Waldes Enden,
wo still der Weiher liegt
und längs den Fichtenwänden
sich lind Gemurmel wiegt;
wo in der Sonnenhelle,
so matt und kalt sie ist,
doch immerfort die Welle
das Ufer flimmernd küsst.
Wenn ich den Mantel dichte
nun legen übers Moos,
mich lehnen an die Fichte
und dann auf meinem Schoß.
Gezweig‘ und Kräuter breiten,
so gut ich’s finden mag:
Wer will mir’s übel deuten,
spiel ich den Sommertag?
Und hat Natur zum Feste
nur wenig dargebracht:
Die Luft ist stets die beste,
die man sich selber macht.
(Annette von Droste-Hülshoff)
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