Gedicht zum Frühlingsanfang 2026

Frühling

 

In dämmrigen Grüften

Träumte ich lang

Von deinen Bäumen und blauen Lüften,

Von deinem Duft und Vogelsang.

 

Nun liegst du erschlossen

In Gleiß und Zier,

Von Licht übergossen

Wie ein Wunder vor mir.

 

Du kennst mich wieder;

Du lockst mich zart.

Es zittert durch all meine Glieder

Deine selige Gegenwart!

 

(Hermann Hesse)

Gedicht zu Weihnachten 2025

 

Es gibt so wunderweisse Nächte

 

Es gibt so wunderweiße Nächte,
drin alle Dinge Silber sind.
Da schimmert mancher Stern so lind,
als ob er fromme Hirten brächte
zu einem neuen Jesuskind.

Weit wie mit dichtem Diamantenstaube
bestreut, erscheinen Flur und Flut,
und in die Herzen, traumgemut,
steigt ein kapellenloser Glaube,
der leise seine Wunder tut.

 

(Rainer Maria Rilke)

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Foto: Pixabay

Gedicht zum Sommeranfang 2025 – Löwe

Löwe

 

Manchmal …

kommt lautlos durch die Dschungel des Gartens und Weinbergs Löwe gegangen,

unser Kater, mein Freund, mein Brüderchen.

Zärtlich miaut er, reibt den gesenkten Kopf an mir, blickt flehend

und wirft sich mit gelösten Gliedern zu Boden,

zeigt Bauch mir und Kehle, die er stets schneeweiß trägt,

und fordert zum Spielen heraus mich …

Andere Male grüßt er nur kurz im Vorbeischlich,

ist gedankenvoll, hat im Walde zu tun

und verschwindet mit dem vornehmen Gang,

der Siamesin Sohn, unser Löwe.

 

(Hermann Hesse)

Gedicht zum Jahreswechsel 2024/25

Neujahrsgedicht

 

Und nun wollen wir glauben an ein langes Jahr,

das uns gegeben ist,

neu, unberührt,

voll nie gewesener Dinge, voll nie getaner Arbeit,

voll Aufgabe, Anspruch und Zumutung;

und wollen sehen, dass wirs nehmen lernen,

ohne allzuviel fallen zu lassen von dem, was es zu vergeben hat,

an die, die Notwendiges, Ernstes und Grosses von ihm verlangen. . . .

Guten Neujahrsmorgen . . .

 

(Rainer Maria Rilke, 1875-1926)

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Foto: Pixabay

Gedicht zu Weihnachten 2024

Das innere Weihnachten ist,

verwegenen Möglichkeiten wieder eine Chance zu geben.

Es ist die Überzeugung,

dass sich die Liebe lohnt

und jeder Schritt in die Liebe Leben erhält.

Es ist der Glaube,

dass das Unscheinbare nicht das Unwichtige ist,

und dass das Kleine oft große Konsequenzen hat.

Es ist der Glaube,

dass wir mit der unfassbaren Welt verbunden sind,

auch wenn wir es nicht immer spüren und beweisen können.

Es ist,

sich selbst wertzuschätzen,

nicht in einem kleinen vordergründigen Egoismus,

aber in der Erkenntnis,

dass wir göttlichen Ursprungs sind.

 

(Ulrich Schaffer)

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Foto: Pixabay

 

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