Gedicht zum Jahreswechsel 2024/25

Neujahrsgedicht

 

Und nun wollen wir glauben an ein langes Jahr,

das uns gegeben ist,

neu, unberührt,

voll nie gewesener Dinge, voll nie getaner Arbeit,

voll Aufgabe, Anspruch und Zumutung;

und wollen sehen, dass wirs nehmen lernen,

ohne allzuviel fallen zu lassen von dem, was es zu vergeben hat,

an die, die Notwendiges, Ernstes und Grosses von ihm verlangen. . . .

Guten Neujahrsmorgen . . .

 

(Rainer Maria Rilke, 1875-1926)

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Foto: Pixabay

Gedicht zu Weihnachten 2024

Das innere Weihnachten ist,

verwegenen Möglichkeiten wieder eine Chance zu geben.

Es ist die Überzeugung,

dass sich die Liebe lohnt

und jeder Schritt in die Liebe Leben erhält.

Es ist der Glaube,

dass das Unscheinbare nicht das Unwichtige ist,

und dass das Kleine oft große Konsequenzen hat.

Es ist der Glaube,

dass wir mit der unfassbaren Welt verbunden sind,

auch wenn wir es nicht immer spüren und beweisen können.

Es ist,

sich selbst wertzuschätzen,

nicht in einem kleinen vordergründigen Egoismus,

aber in der Erkenntnis,

dass wir göttlichen Ursprungs sind.

 

(Ulrich Schaffer)

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Joseph von Eichendorff – Mondnacht

 

Es war, als hätt der Himmel
die Erde still geküsst,
dass sie im Blütenschimmer
von ihm nun träumen müsst.

Die Luft ging durch die Felder,
die Ähren wogten sacht,
es rauschten leis die Wälder,
so sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
weit ihre Flügel aus,
flog durch die stillen Lande,
als flöge sie nach Haus.

Gedicht zu Weihnachten 2023

Weihnachten

 

Zeit der besonderen Schmerzen,

der stechenden Einsamkeit für viele,

Zeit, in der die eigene Leere auftaucht

wie ein Gespenst

und Kerzen und Atmosphäre

sie nicht zudecken können.

Gesucht sind da Menschen,

wie du und ich,

die Hoffnung haben,

die Wärme verbreiten können,

die echtes Interesse am andern haben

und glauben,

dass Gott sich dem Menschen zuwendet

in Liebe,

schon immer

und gerade jetzt.

 

(Ulrich Schaffer)

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Gedicht zum Winteranfang 2023

Ein milder Wintertag

 

An jenes Waldes Enden,
wo still der Weiher liegt
und längs den Fichtenwänden
sich lind Gemurmel wiegt;

wo in der Sonnenhelle,
so matt und kalt sie ist,
doch immerfort die Welle
das Ufer flimmernd küsst.

Wenn ich den Mantel dichte
nun legen übers Moos,
mich lehnen an die Fichte
und dann auf meinem Schoß.

Gezweig‘ und Kräuter breiten,
so gut ich’s finden mag:
Wer will mir’s übel deuten,
spiel ich den Sommertag?

Und hat Natur zum Feste
nur wenig dargebracht:
Die Luft ist stets die beste,
die man sich selber macht.

(Annette von Droste-Hülshoff)

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Foto: Pixabay

 

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