Edelsteine – Geschönte Steine

Nachdem ich die letzten Jahre viele Blogs über verschiedene Edelsteine geschrieben habe, ist es an der Zeit, meine Edelstein-Lieblingsbücher vorzustellen.

 

Bernhard Bruder:

Geschönte Steine. Das Erkennen von Imitationen und Manipulationen bei Edelsteinen und Mineralien.

Saarbrücken 2005

 

Der Autor

Bernhard Bruder ist Diplom Mineraloge. Er studierte Geologie und Mineralogie in Freiburg und Edelsteinkunde in Idar-Oberstein. In seiner anschließenden Tätigkeit als Gemmologe bei einem schweizerischen Institut konnte er sich ein breit gefächertes Fachwissen erwerben. Heute ist Bernhard Bruder Geschäftsführer eines unabhängigen Instituts für Edelsteinprüfung (EPI) in Ohlsbach. Dort werden Befundberichte und Echtheitszertifikate erstellt und Seminare zur Erkennung von künstlichen Eigenschaftsveränderungen bei Mineralien und Edelsteinen angeboten.

 

Das Buch

Das Buch wurde geschrieben, weil viele Menschen nicht wissen, dass Edelsteine oft durch Färben, Bestrahlen oder Rekonstruieren „geschönt“ werden. In diesem Buch sind die häufig betroffenen Steine aufgelistet und abgebildet. Viele Tipps helfen auch Laien, echte von falschen Steinen zu unterscheiden. Damit ist der Titel ein Muss für alle, die mit Steinen arbeiten oder sich einfach von der Echtheit ihrer Steine überzeugen wollen. Mit dem Handbuch möchte der Autor einen Beitrag zu einem aktiven Verbraucherschutz leisten.

Nach einem Vorwort beschäftigt sich das erste Kapitel mit der Frage: Was ist ein Edelstein? Es folgen Ausführungen zu Qualitätskriterien für Mineralien und Edelsteinen. Dann geht es weiter mit den künstlichen Eigenschaftsveränderungen.

Das nächste Kapitel beschäftigt sich mit künstlichen Produkten wie Synthesen und Imitationen und verschiedenen Verfahren zu deren Herstellung. Im Folgenden werden die Bestimmungsmerkmale wie Farbe, Glanz, Erscheinungsbild, mikroskopische Merkmale, optische Eigenschaften, spezifisches Gewicht, Magnetismus, chemische und thermische Eigenschaften, Ritzhärte und Strichfarbe erläutert.

Auf den nächsten rund 80 Seiten gibt Bernhard Bruder den Lesern einen Überblick über die aktuell auf dem Edelsteinmarkt kursierenden Imitationen und Manipulationen. Dazu listet er in alphabetischer Reihenfolge jene Mineralien und Edelsteine auf, bei deren Kauf mit besonderer Vorsicht vorgegangen werden sollte. Rund 50 Steinsorten von Achat über Mondstein bis Zirkon werden ausführlich besprochen. Außerdem beschreibt der Autor, was und wie du selbst prüfen kannst bzw. in welchen Fällen du dich an eine Fachperson wenden solltest.

 

Wesentliche Inhalte

Im Vorwort schreibt Bruder: „Edelsteine werden schon seit Jahrhunderten gesammelt, getragen, als Wertanlage aufbewahrt und in vielfältiger Art und Weise als Heilsteine oder zur Meditation benutzt. Bereits in den alten Schriftrollen Ägyptens werden Lapislazuli und Malachit beschrieben. Aus Indien sind 2.500 Jahre alte Schriften bekannt, in denen Karneol und Rubin eine Rolle spielen. Damals wie heute sind Edelsteine wegen ihrer Seltenheit und Schönheit ein begehrtes Gut, aber nie in der Geschichte gab es ein so großes Angebot an Edel- und Schmucksteinen wie heute. Nicht alle diese Steine halten jedoch, was ihr Äußeres verspricht, denn gleichzeitig waren auch noch nie so viele manipulierte und imitierte Mineralien und Edelsteine im Handel wie heute.

Der Wunsch vieler Edelsteinverkäufer, schöne Steine möglichst preisgünstig zu erwerben, und das Bestreben der Händler, die Steine möglichst gewinnbringend zu verkaufen, hat zu einer fatalen Entwicklung geführt. Gerade dann, wenn gewisse Rohstoffe verknappen oder bestimmte Edelsteine besonders hoch im Kurs stehen, werden sie vielfach manipuliert, imitiert oder synthetisch hergestellt, um die Nachfrage zu befriedigen. Es ist ein florierender Markt entstanden, der sich inzwischen auch in den Mineralienbereich ausgebreitet hat.“

Das Krasse dabei ist, dass einige Manipulationen bei Edelsteinen sogar ganz legal verschwiegen werden dürfen. „Die gesetzlichen Vorschriften zur Bezeichnung von behandelten Steinen orientieren sich an den Gepflogenheiten des Handels. Dieser hat schon vor vielen Jahren auf eine drohende gesetzliche Reglementierung reagiert und in einem Akt freiwilliger Selbstkontrolle eine nationale RAL-Verordnung (RAL 560) beschlossen. Sie wurde zuletzt 1963 überarbeitet und ist seither nicht mehr aktualisiert worden. Deshalb bezieht sich der Gesetzgeber immer öfter auf die ähnlichlautenden, aber aktuelleren Bestimmungen der INTERNATIONALEN VEREINIGUNG SCHMUCK, SILBERWAREN, DIAMANTEN, PERLEN UND STEINE (CIBJO).“ Die Angaben des Buches beziehen sich auf diese Bestimmungen von 1998.

 

Was ist ein Edelstein?

Edelsteine sind durch drei Merkmale gekennzeichnet, die sie aus der Vielzahl der auf der Erde vorkommenden Minerale herausheben:

1. Schönheit

2. Seltenheit

3. Haltbarkeit.“

Seltenheit und Haltbarkeit sind dabei objektiv messbare Größen, die Schönheit ist dagegen eine relative Größe. Als Anhaltspunkte können eine attraktive Farbe, eine außergewöhnliche Transparenz oder besondere optische Effekte wie der Katzenaugeneffekt gelten. Bei der Seltenheit kommt es nicht darauf an, wie selten ein Mineral an sich, sondern wie selten die erwünschte Qualität ist. Was die Haltbarkeit betrifft, werden nur solche Mineralien zu Edelsteinen erklärt, die besonders hart (z.B. Topas) oder besonders zäh sind (z.B. Jade) sind. „Die Härte sollte über derjenigen von Quarz liegen. Der Grund dafür ist rein praktischer Natur. Da der Staub in unserer Luft vor allem aus winzigen Quarzkörnchen besteht, bekommt jeder Gegenstand, der weicher als Quarz ist, mit der Zeit kleine Kratzer. Polierte Oberflächen werden dadurch stumpf und matt.“ Aus diesem Grund wurden Steine, die diesem natürlichen Abrieb widerstehen können, schon immer als „edel“ bezeichnet. Ausnahmen sind Mineralien, die ganz besonders attraktive optische Effekte zeigen wie z.B. Mondstein.

Alle anderen Minerale, die ein attraktives Äußeres zeigen, aber die Kriterien Seltenheit und Haltbarkeit nicht erfüllen und auch mit keinen außergewöhnlichen optischen Effekten aufwarten können, werden als Schmuckstein bezeichnet. Diese Bezeichnung hat den zum Teil immer noch verbreiteten Begriff `Halbedelstein´ ersetzt.“

 

Qualitätskriterien für Mineralien und Edelsteine

Es gibt gewisse Anhaltspunkte für die Einschätzung der Qualität von Edelsteinen und Mineralien. Im Wesentlichen sind das Farbe und Transparenz. „Bei geschliffenen Steinen spielen auch die Qualität des Schliffs und der Politur eine Rolle, da sie für die Brillianz und das Feuer eines Steines maßgeblich sind.“ Beschädigungen wie offene Risse und Brüche sowie künstliche Eigenschaftsveränderungen wirken sich qualitätsmindernd aus.

Durch Einschlüsse von anderen Mineralien oder Besonderheiten in der inneren Struktur eines Steines können Edelsteine spezielle Lichteffekte zeigen, die durch Schliff und Politur sichtbar werden. Sie bewirken eine deutliche Wertsteigerung des Edelsteines. Zu diesen Lichterscheinungen gehören:

  • Adularisieren

    seidig glänzender bläulicher oder weißer Schimmer, der beim Bewegen des Steines über die Oberfläche wandert

  • Asterismus (Sterneffekt)

    4-, 6-, 12- und 24-strahlige Sterne entstehen durch faserige oder nadelige, parallele Mineraleinschlüsse

  • Aventurisieren

    glitzernde Effekte in Feldspat oder Quarz durch stark reflektierende plättchenförmige oder stengelige Mineral- und Metalleinschlüsse

  • Chatoyance (Katzenaugeneffekt)

    scharf abgegrenzte Lichtlinie durch Reflexion des Lichtes an parallelen, faserigen Mineraleinschlüssen oder an dünnen gleichgerichteten Hohlkanälen; beim Drehen des Steines wandert die Lichtlinie

  • Irisieren

    buntes Farbspiel durch Aufspaltung des Lichts in seine Spektralfarben an Rissen im Kristall

  • Labradorisieren

    metallisch glänzendes Farbenspiel; häufig sind blaue und grüne Farben, aber das ganze Farbspektrum ist möglich

  • Opaleszieren

    milchig weißes oder bläuliches Schimmern bei gemeinen Opalen

  • Opalisieren

    regenbogenartiger Schiller oder buntfleckiges Farbenspiel bei Edelopalen, der sich je nach Blickwinkel verändert

  • Seidenglanz

    wolkiger, seidenartiger Glanz, der besonders bei Saphiren und Rubinen sehr begehrt ist.

Die Stärke dieser Lichtreflexe entscheidet über die Qualität der Steine. Als Regel gilt, dass die Lichterscheinung bei guten Steinen im Sonnenlicht zu sehen ist. Bei schlechteren Qualitäten braucht man eine punktförmige Lichtquelle wie z.B. eine Taschenlampe, um die Lichtlinien zu sehen.

 

Künstliche Eigenschaftsveränderungen

Bei vielen Steinen sind Farbe und Transparenz künstlich beeinflussbar. Diese Manipulationen verbessern nur das äußere Erscheinungsbild des Steines, nicht aber seine tatsächliche Qualität. Die angewandten Methoden lassen sich in sechs Gruppen unterteilen:

 

1. Behandlung mit Öl, Wachs oder Naturharz

Rissfüllungen, Imprägnationen

2. Behandlung mit Kunstharz

Rissfüllungen, Imprägnationen oder „Stabilisieren“

3. Behandlung mit Glas

Rissfüllungen

4. Färben

oberflächliches Färben durch gefärbtes Öl oder Wachs, lackähnliche Farbstoffe oder Bedampfen mit Metallen; Tiefenfärbung durch gefärbtes Öl oder Wachs, gefärbten Kunststoff, Einkochen und/oder Einbrennen von Farbstoffen und Tiefenfärbung poröser Steine durch dehydrierte Zuckerlösung

5. Brennen

das Erhitzen eines Steines kann Farb- oder Transparenzveränderungen zur Folge haben, so wird z.B. der violette Amethyst zu gelbem Citrin

6. Bestrahlen

die Bestrahlung eines Steines mit energiereicher, elektromagnetischer Strahlung wie z.B. Röntgen- oder UV-Strahlung oder Elementarteilchen (Elektronen, Neutronen) bewirkt in einigen Fällen starke Farbveränderungen. So wird z.B. farbloser Topas blau und rosa Saphir orange.

 

Deklarationsbestimmungen

Die Deklarationsbestimmungen sind sehr unterschiedlich. So ist z.B. die Behandlung eines Steines mit farblosem Öl, Wachs oder Naturharz nach den CIBJO-Bestimmungen nicht deklarationspflichtig. Bei der Verwendung von Kunstharzen muss der Stein jedoch als „behandelt“ bezeichnet werden. Steine, die mit Glas behandelt wurden, müssen ausnahmslos als „behandelt“ deklariert werden, auch wenn der Glasanteil nur sehr gering ist. Gefärbte Steine müssen generell als „gefärbt“ oder „behandelt“ bezeichnet werden, die einzige Ausnahme ist aber gefärbter Achat. Das Brennen muss dagegen nicht deklariert werden.

 

Künstliche Produkte

Künstliche Produkte sind 1. Synthesen und 2. Imitationen.

1.

Synthetische Steine sind in ihren chemischen und physikalischen Eigenschaften weitgehend identisch mit den natürlichen Vorbildern.“ Bruder erläutert verschiedene Verfahren, um die wertvollsten Edelsteine zu synthetisieren. Dazu gehören das Flussmittelverfahren, das Schmelzverfahren, das Hydrothermalverfahren und das Hochdruckverfahren.

Deklarationsbestimmungen: Bezeichnungen wie „synthetisch“ müssen immer und unmissverständlich unmittelbar bei dem Namen des betreffenden Steines stehen, z.B. „synthetischer Rubin“.

2.

Imitationen sind Nachahmungen von natürlichen oder synthetischen Steinen oder Produkte, die ganz oder teilweise durch Menschen hergestellt worden sind. Diese Steine imitieren das Aussehen natürlicher Edelsteine, ohne deren chemische und/oder physikalische Eigenschaften und/oder Kristallstruktur zu besitzen.

Imitationen bestehen aus Kunstprodukten wie Glas, Keramik oder festen chemischen Verbindungen oder aus ähnlichen Mineralien, die in der Regel häufiger vorkommen bzw. billiger sind als der echte Edelstein.“

Imitationen sind unmissverständlich „mit gleicher Deutlichkeit und Schriftgröße als solche zu benennen sowie mit dem richtigen Namen des Materials zu bezeichnen“. Imitationen sind meistens leicht zu identifizieren – für „Fachleute genügt oft schon der Blick durchs Mikroskop, wo sich z.B. der Smaragd schnell vom grün gefärbten Chalcedon oder grünen Glas unterscheiden lässt“.

Bruder beschreibt verschiedene Arten von Imitationen wie Rekonstruktionen, Pressprodukte, Gläser und zusammengesetzte Steine (Dubletten/Tripletten).

Beim folgenden Überblick über Imitationen und Manipulationen anhand einer alphabetischen Liste der Mineralien und Edelsteine, bei deren Kauf besonders vorsichtig vorgegangen werden sollte, verschaffen Tabellen einen zusätzlichen Überblick – zum Beispiel über die Graduierung von Diamanten nach der Farbe und der Reinheit und über irreführende Handelsbezeichnungen für Diamant-Imitationen. Oder eine Tabelle über Farbbezeichnungen für Granat und chemisch-physikalische Daten der reinen Granat-Endglieder oder über Kalifeldspäte und ihre Varietäten.

 

Meine Meinung

Während meiner Ausbildung zur Edelsteinberaterin habe ich erkannt, dass es auf die Dauer ein wenig einseitig ist, mich immer nur auf Michael Gienger zu beziehen und eine Erweiterung meiner Fachliteratur vonnöten ist. Das vorliegende Buch tanzt in meiner Edelstein-Bibliothek ein bisschen aus der Reihe, weil es sich weniger mit schönen Steinen, sondern vielmehr mit Fälschungen, Manipulationen und leider häufig auch Betrügereien beschäftigt. Beim Lesen stellen sich daher nicht nur Bewunderung für die entsprechenden raffinierten Verfahren ein, sondern eben auch Enttäuschung und Frustration über die nicht selten damit verbundenen unlauteren Absichten und Handlungen ein. Von daher ist Information und Sachkenntnis dringend notwendig. Beides kann man in dem Buch von Bernhard Bruder erwerben. Zahlreiche aufschlussreiche Fotos – wie z.B. die von synthetischem Ametrin, einem Aquamarin vor und nach einer Wärmebehandlung, einer Bernstein-Imitation aus Kunstharz, einer Dublette mit synthetischem Rubin und natürlichem Saphir oder eine Mikroaufnahme eines Pressproduktes nach Art von Azurit-Malachit oder eines stabilisierten Chrysokolls mit eingeschlossenen Gasblasen – sprechen für sich.

Verschiedene über das Buch verteilte Tabellen sorgen für einen guten Überblick, zum Beispiel über die Lichtbrechung von Ölen und Kunstharzen, künstliche Eigenschaftsveränderungen durch Färben und Erhitzen bei verschiedenen Mineralien oder über Minerale, die durch künstliche Bestrahlung radioaktiv werden können bzw. natürliche radioaktive Minerale. Sehr interessant ist auch der Überblick über die geschichtliche Entwicklung der Achatmanipulationen von 200 vor Christus in Indien über die Römerzeit und das 19. Jahrhundert bis hin zu 1970.

Fazit: Nicht schön, aber notwendig!

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Foto: Pixabay

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