Mein erstes Buch zur Aromatherapie habe ich mir im Oktober 1991 gekauft und da ist neben dem Eintrag zur Bergamotte noch kein schwarzer Markierungspunkt – als Zeichen für Lieblingsduft – zu finden. Mittlerweile gehören aber die ätherische Öle von Zitrusfrüchten zu meinen favorisierten Düften. Warum? Zum Beispiel, weil ich diese Mischung aus frisch-fruchtig-säuerlich-sonnig-warm-hell einfach wunderbar finde!
Biologie
Die Bergamotte ist ein bis zu fünf Meter hoher Baum aus der Familie der Zitrusfrüchte. Wie Orange und Zitrone gehört sie zu den Rautengewächsen (Rutaceae). Die Bergamotte entstand durch Züchtung und ist eine Kreuzung von Bitterorange und Zitrone. Ihr botanischer Name ist Citrus bergamia Risso und Poiteau. Die Blüten sind weiß, sternförmig und duftend, die Zweige oft stachelig, die blassgelben Früchte sind rund bis birnenförmig, 7 – 10 cm lang und nicht essbar.
Inhaltsstoffe sind nach Fischer-Rizzi „Linalylacetat (bis 40%), Terpene (bis 40%), Bergapten, Linalool, Bergamottin (Furocumarin) Dihydrocuminalkohol, Nerol, D-Limonen, Bergaptol, Lemettin“.
Das Ursprungsland der Bergamotte ist Asien, heute Reggio di Calabria im Süden Italiens, weitere Anbauflächen finden sich an der Elfenbeinküste.
Die Essenz wird durch Kaltpressung und Zentrifugieren der grünen Fruchtschalen gewonnen. Aus 100 kg Schalen erhält man 500g Essenz. Fischer-Rizzi beschreibt den Duft als frisch, lebhaft, fruchtig und warm.
Nach Fischer-Rizzi wird Bergamotte-Essenz „durch die Zugabe von anderen Zitrusölen verstärkt, das heißt: die Öle wirken synergetisch. Eine Mischung von verschiedenen ätherischen Ölen (nicht nur von Zitrusölen) ist für unseren Geruchssinn attraktiver als ein ´Einzelöl`. Meistens bevorzugen wir vielschichtige Riech-Komplexe. Je interessanter unser Gehirn die Düfte findet, desto größer ist auch die Chance eines psychischen Effektes.“ Interessant, oder?
Allgemeine Wirkung
Die allgemeine körperliche Wirkung der Bergamotte ist antiseptisch, appetitanregend, durchblutungsfördernd, entkrampfend, fiebersenkend und verdauungsanregend.
Die allgemeine geistig-seelische Wirkung ist antidepressiv/stimmungsaufhellend und regulierend bzw. stimulierend-entspannend.
Spezifische Anwendungen
Im Bereich der Haut wirkt das ätherische Öl der Bergamotte nach Fischer-Rizzi adstringierend, antiseptisch, desodorierend und reinigend und wird bei dermatologischen Infektionen eingesetzt.
In der Gynäkologie findet das Öl der Bergamotte nach Werner Verwendung in der Geburtsvorbereitung und – begleitung (Dammschutz durch dehnend-entspannende Wirkung; bessere Verarbeitung von Wehenschmerzen). Im Zusammenhang mit der emotional stürmischen Zeit nach der Geburt sowie der Wochenbett-Depression gilt Bergamotteöl als der „Edelstein unter den Zitrusölen. Sein Duft wirkt aufmunternd und hilft bei Angst und depressiven Verstimmungen“.
Bei Stimmungsschwankungen bis hin zu depressiver Verstimmung im Rahmen des Prämenstruellen Syndroms (PMS) wirkt es „mit seiner wohltuend frischen und aufhellenden Duftnote seelisch angstlösend und nervenberuhigend sowie körperlich entspannend“. In der Phase des Klimakteriums kann das Öl der Bergamotte bei Schlafstörungen eingesetzt werden: „Wer nicht zur Ruhe und somit auch nicht zum erholsamen Schlaf findet, für den ist das ätherische Bergamotteöl mit seiner nervenberuhigenden und entspannenden Eigenschaft das Öl der Wahl.“
Laut Werner kann die Bergamotte aufgrund ihrer aufmunternden und entspannenden Wirkungen auch bei Migräne eingesetzt werden, da der Duft die Angst vor dem Schmerz nähme, wenn diese sich ankündigt. Als Migräne-Expertin muss ich leider kritisch anmerken, dass die Vor- und Hauptphase einer Attacke meist mit einer extremen Geruchsüberempfindlichkeit einhergeht, weshalb auch Wohlgerüche kontraproduktiv sein und Übelkeit sowie eine Verschlimmerung des Zustandes hervorrufen können.
Bei Infekten/Grippe ist Fieber „eine sinnvolle Reaktion des Körpers, die nicht unterdrückt werden sollte. Bei Risikopatienten oder Kindern kann man es sanft reduzieren mithilfe ätherischer Öle wie dem der Bergamotte“ schreibt Werner. Dabei kann die antivirale, stark antibakterielle, antiseptische, immunstimulierende und fiebersenkende Wirkung des Bergamotteöls hilfreich sein. Die entspannende und stimmungsaufhellende geistige/psychische Wirkung unterstützt zusätzlich den Heilungsprozess.
Bei nervös bedingten Schmerzen im Magen-Darm-Trakt, bei denen psychischer Stress sich in Form von schmerzhaften Krämpfen auf den Bauch auswirkt, kann Bergamotteöl mit seiner entkrampfenden Wirkung Abhilfe schaffen.
Im geistigen Bereich bringt das Bergamotteöl bei „Konzentrationsmangel aufgrund großer Anspannung“ „eine seiner Stärken zur Geltung“, schreibt Werner. Zudem wirke es im psychischen Bereich depressiven Verstimmungen, auch bei Winterdepression, entgegen.
VORSICHT:
Nach Fischer-Rizzi und Werner erhöht das Bergamotteöl wegen seiner Furocumarine (photosensibilisierende bzw. -toxische Pflanzenstoffe) die Lichtempfindlichkeit der Haut. Unter Einwirkung von UV-Strahlung kann das zu phototoxischen Hautreaktionen wie Rötungen führen. In physiologischer Dosierung (Erwachsene < 0,5%, Kleinkinder < 0,1%) seien keine Nebenwirkungen bekannt. Fischer-Rizzi schreibt, Bergamotteöl solle nicht unverdünnt auf die Haut aufgetragen werden, sondern immer ½ – 1%ig in Basisöl wie zum Beispiel süßem Mandelöl verwendet werden.
Küche
Last but not least soll nicht unerwähnt bleiben, dass Bergamotte auch aus der Küche bekannt ist – nämlich zur Aromatisierung von Schwarztee, nämlich dem Earl Grey. Übrigens lassen sich damit auch sehr leckere Plätzchen backen! 😉
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Text-Quellen:
Susanne Fischer-Rizzi: Himmlische Düfte, München 1990
Monika Werner: Mind-Maps Aromatherapie, Stuttgart 2013 (2. Auflage)
Bild-Quelle:
Pixabay
