Ein wichtiger Gedanke vorneweg:
Wer sich mit Meditation beschäftigt, kommt früher oder später auch mit Osho in Berührung. Bislang habe ich hier keine Meditation von ihm eingebracht, da ich ihm sehr ambivalent gegenüberstehe. Auf der einen Seite erkenne ich seine Lebensleistung an, die Meditation vom Osten in den Westen transportiert und für die Menschen hier adaptiert zu haben. Auf der anderen Seite hat sich die westliche Meditationspraxis seit seinem Tod vor rund 30 Jahren bedeutend in verschiedene Richtungen weiter entwickelt. Und vor allem erkenne ich ihn nicht als „erleuchteten Meister“ an. Ich messe Menschen nicht an ihren Worten, sondern an ihren Taten und sehe, dass er sich in seiner letzten Lebensphase leider vollkommen disqualifiziert hat. Allen Vorbehalten zum Trotz hat er jedoch interessante Gedanken vorgestellt und schöne Übungen entwickelt, die es wert sind, vorgestellt zu werden wie zum Beispiel diese hier:
„Meditation ist eine Arznei. Es ist die einzige Medizin, die es gibt. Vergiss also deine Probleme, gehe einfach in die Meditation hinein. Dies ist eine einfache Methode, deine Energie umzuwandeln und sie nach oben zu führen. Diese Meditation sollte mindestens zweimal täglich gemacht werden.
Die beste Zeit dafür ist der frühe Morgen, kurz bevor du aufstehst. Sobald du zu dir gekommen und hellwach bist, fange damit an und mache sie zwanzig Minuten lang. Mache sie auf der Stelle, sofort nach dem Aufwachen, denn gerade wenn du aus dem Schlaf kommst bist du sehr empfindsam und aufnahmefähig. Wenn du gerade aus dem Schlaf kommst, bist du ganz frisch, und diese Meditation kann ganz tief wirken. In diesem Zustand gleich nach dem Schlaf bist du weniger denn je in deinem Verstand, und so sind Lücken da, durch die hindurch diese Meditation bis in deinen innersten Kern hineinwirken kann. Und früh am Morgen, wenn du aufwachst und wenn die ganze Welt aufwacht, gibt es eine große Flut von aufsteigender Energie, überall auf der ganzen Welt – nutze diese Flut, lasse dir diese Gelegenheit nicht entgehen.
Alle alten Religionen haben gewöhnlich bei Sonnenaufgang gebetet, denn wenn die Sonne aufgeht, erwachen alle Energien der Schöpfung. In diesem Moment kannst du ganz einfach auf der aufsteigenden Energiewelle reiten; das ist einfacher. Abends ist es dann schwieriger, zu dieser Zeit fallen alle Energien zurück, und du müsstest gegen den Strom ankämpfen. Am Morgen kannst du mit dem Strom schwimmen.
Du bleibst also einfach im Bett auf dem Rücken liegen. Halte die Augen geschlossen. Beim Einatmen stelle dir eine große Flut von Licht vor, die durch deinen Kopf in deinen Körper tritt, so, als wäre die Sonne ganz nahe vor deinem Kopf aufgegangen. Du bist ganz hohl und das goldene Licht ergießt sich in deinen Kopf und es fällt und fällt, ganz tief, und tiefer, bis es durch deine Zehenspitzen wieder hinausgeht. Atme mit dieser Visualisierung ein. Das goldene Licht hilft. Es reinigt deinen ganzen Körper und erfüllt dich von oben bis unten mit Kreativität. Dies ist die männliche Energie.
Und wenn du ausatmest, dann stelle dir Folgendes vor: Dunkelheit, die durch deine Zehenspitzen in den Körper eintritt, ein großer dunkler Strom, der durch deine Zehen hereinfließt, aufwärts bis zum Kopf und wieder aus dem Kopf hinaus. Atme ganz langsam und tief, damit du es dir vorstellen kannst. Dies ist die weibliche Energie. Sie wird dich sanft machen, sie wird dich empfänglich machen und ruhig, sie wird dich ganz entspannen. Tue es ganz langsam – und wenn du gerade aus dem Schlaf kommst, kannst du sehr tiefe und langsame Atemzüge machen, weil dann der Körper ausgeruht und entspannt ist.
Die zweitbeste Zeit für diese Meditation ist kurz vor dem Schlafengehen. Lege dich aufs Bett, entspanne dich einige Minuten lang. Wenn du spürst, dass du dich jetzt zwischen Wachsein und Schlafen befindest, genau in dem Übergangszustand, dann gehe genauso vor wie am Morgen. Wieder zwanzig Minuten lang. Wenn du darüber einschläfst, ist es am besten, denn so wird diese Meditation ins Unterbewusstsein eindringen und dort weiter wirken.
Wenn du diese einfache Methode über die Dauer von drei Monaten machst, wirst du erstaunt sein – ohne dass du irgendetwas zu unterdrücken brauchst, hat die Transformation angefangen.“
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Osho: Das orangene Buch. Die Osho Meditationen für das 21. Jahrhundert. Köln 23. Auflage 2020
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