Meditation: Der mittlere Weg im Umgang mit Wut

Was ist ein hilfreicher Umgang mit Wut?

Es ist wichtig zu betonen, dass Wut eine angeborene und überlebenswichtige Emotion ist. Wut zu empfinden ist vollkommen menschlich. Wenn du jedoch bemerkst, dass dein üblicher Umgang mit Wut negative Auswirkungen auf dich und deine Beziehungen hat, dann hast du die Möglichkeit, durch Selbstmitgefühlspraxis Verantwortung für dein Handeln zu übernehmen und somit deine Lebensqualität und die deiner Mitmenschen zu verbessern. 

Die Energie der Wut verwandeln

Die Energie der Wut ist also an sich nicht das Problem, sondern die unbedachten und impulsiven Taten, zu denen sie dich führen kann. Der Buddhismus lehrt, dass man die Energie von Wut und anderen potenziell destruktiven Emotionen durch Mitgefühl und Weisheit verwandeln kann.

Ein Symbol für diese Verwandlung ist der Pfau. Obwohl ein Pfau für uns giftige Pflanzen, Insekten und sogar Schlangen frisst, hat er ein wunderschönes farbiges Gefieder. Dieses Phänomen wird in der buddhistischen Tradition als Gleichnis verwendet: Der Pfau besitzt die Kraft, die giftigen Nahrungsquellen in einmalige Schönheit zu verwandeln. Das symbolische Verständnis ist, dass der Pfau nur durch das Gift seine Schönheit erlangt. So kannst auch du mit potenziell „Giftigem“ umgehen, um es zu verwandeln und für dich nutzbar zu machen.

In anderen Worten: Blinde Wut ohne Mitgefühl und Weisheit führt zu Hass und unter Umständen destruktivem und unheilsamen Handeln. Wenn du jedoch Mitgefühl und Weisheit kultivierst, kannst du sozusagen die heilsame Essenz der Wut destillieren. Deren heilsame Essenz ist Klarheit und Kraft, die dir helfen kann, eine wohlwollende, weise, durchsetzungsfähige innere Autorität zu entwickeln. Dadurch kannst du dich und andere vor destruktiven Energien schützen.

Wenn Mitgefühl die Energie von Wut in dieser Weise verwandelt, wird Mut, Klarheit, Gelassenheit, Entschlossenheit und Handlungsbereitschaft bei dir sichtbar.

Man nennt diesen aktiven Aspekt des Mitgefühls auf Englisch „fierce compassion“, was man als „toughes Mitgefühl“, „liebevolle Strenge“ oder „heiligen Zorn“ übersetzen könnte.

Übung: Wut erforschen

  • Gibt es eine aktuelle oder vergangene Situation, die dich wütend macht, wenn du daran denkst, und die dich im Alltag beschäftigt und belastet?

  • Führe dir diese Situation vor Augen. Beobachte, welche Gedanken, Bilder, Gefühle, Körperempfindungen und Handlungsimpulse in dir auftauchen. Kannst du deine Gefühle benennen?

  • Dient dir diese Wut oder Verärgerung heute, um dich vor etwas zu beschützen? Wenn ja, erkenne den positiven Aspekt der Wut an.

    Wenn nein, frage dich, ob du bereit bist, dich von dieser Wut und Verbitterung zu lösen.

Die eigenen Bedürfnisse achten

  • Vermeidest du Konflikte und glaubst, das wäre mitfühlend?

  • Vermeidest du, ehrlich deine Meinung zu sagen aus Angst, nicht mehr gemocht zu werden?

  • Lässt du deshalb bei anderen zu viel durchgehen?

Wenn du dazu neigst, deine Wut zu unterdrücken oder dich sogar fragst, ob du ein Recht auf Wut hast, dann könnte die demnächst folgende Übung: „Der Weisheit der Wut lauschen“ passend für dich sein. Es geht nicht darum festzustellen, ob du wütend sein darfst oder nicht. Es geht darum zu verstehen: Warum du wütend bist und was deine Wut dir sagen will. Und dann zu schauen, wie du das dahinter liegende Bedürfnis nach Schutz, Respekt, Unterstützung oder Zuwendung selbst erfüllen kannst!

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Text abgewandelt entnommen aus dem Buch:

Christine Brähler; Selbstmitgefühl entwickeln. Liebevoller werden mit sich selbst. München 2015

Foto: Pixabay

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