Meditation: Vertiefe dich in das Wesen des Buddha

 

Ein wichtiger Gedanke vorneweg:

Wer sich mit Meditation beschäftigt, kommt früher oder später auch mit Osho in Berührung. Bislang habe ich hier keine Meditation von ihm eingebracht, da ich ihm sehr ambivalent gegenüberstehe. Auf der einen Seite erkenne ich seine Lebensleistung an, die Meditation vom Osten in den Westen transportiert und für die Menschen hier adaptiert zu haben. Auf der anderen Seite hat sich die westliche Meditationspraxis seit seinem Tod vor rund 30 Jahren bedeutend in verschiedene Richtungen weiter entwickelt. Und vor allem erkenne ich ihn nicht als „erleuchteten Meister“ an. Ich messe Menschen nicht an ihren Worten, sondern an ihren Taten und sehe, dass er sich in seiner letzten Lebensphase leider vollkommen disqualifiziert hat. Allen Vorbehalten zum Trotz hat er jedoch interessante Gedanken vorgestellt und schöne Übungen entwickelt, die es wert sind, vorgestellt zu werden – wie zum Beispiel diese hier:

„Stelle dir eine kleine Buddha-Figur in dein Zimmer und setze dich davor, wann immer du Zeit hast, und vertiefe dich in den Anblick.

Die Buddha-Figur wurde nicht einfach als ein Standbild geschaffen; sie wurde als Objekt der Meditation geschaffen. Sie stellt nicht Buddha dar, wie er wirklich aussah – so sah er nicht aus. Sie ist ein Sinnbild. Statt Buddhas körperlicher Gestalt stellt sie vielmehr sinnbildlich seine innere Anmut dar.

Nicht, dass er genau diese körperliche Gestalt, dieses Gesicht, diese Nase, diese Augen gehabt hätte; darum geht es überhaupt nicht. Diese Figur ist nicht realistisch. Sie drückt etwas über die Realität jenseits der sogenannten Realität aus, sie ist also ein yantra. Man kann beim bloßen Betrachten dieser Figur in Meditation versinken. Das ist der Grund, weshalb Tausende solcher Buddha-Figuren gemacht wurden: Von keinem anderen Menschen gibt es so viele Figuren wie von Buddha. Es gibt Tempel – in einem einzigen Tempel können zehntausend Buddha-Figuren stehen, nur um eine Atmosphäre von Meditation zu schaffen. Wohin du blickst, überall siehst du die Gestalt Buddhas, das Buddha-Wesen, jene Stille, jene Anmut, jene geschlossenen Augen, jene friedvolle Haltung, jene Ausgeglichenheit, jenes Ebenmaß. Diese Buddha-Figuren sind Musik aus Marmor, in Stein gemeißelte Lehren.“

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Osho: Das orangene Buch. Die Osho Meditationen für das 21. Jahrhundert. Köln 23. Auflage 2020

Foto: Pixabay

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