Ein wichtiger Gedanke vorneweg:
Wer sich mit Meditation beschäftigt, kommt früher oder später auch mit Osho in Berührung. Bislang habe ich hier keine Meditation von ihm eingebracht, da ich ihm sehr ambivalent gegenüberstehe. Auf der einen Seite erkenne ich seine Lebensleistung an, die Meditation vom Osten in den Westen transportiert und für die Menschen hier adaptiert zu haben. Auf der anderen Seite hat sich die westliche Meditationspraxis seit seinem Tod vor rund 30 Jahren bedeutend in verschiedene Richtungen weiter entwickelt. Und vor allem erkenne ich ihn nicht als „erleuchteten Meister“ an. Ich messe Menschen nicht an ihren Worten, sondern an ihren Taten und sehe, dass er sich in seiner letzten Lebensphase leider vollkommen disqualifiziert hat. Allen Vorbehalten zum Trotz hat er jedoch interessante Gedanken vorgestellt und schöne Übungen entwickelt, die es wert sind, vorgestellt zu werden.
In der Einleitung zum orangenen Buch wird betont, dass es in der Meditation nicht nur einen einzigen Weg gibt: „Jeder von uns ist einmalig, und für jeden von uns gibt es eine andere Methode, die nach innen führt.“
Osho soll von einem umfassenden Verständnis der komplexen Situation des Menschen des 20. Jahrhunderts ausgegangen sein. Er habe ein Panorama unzähliger Methoden geöffnet, so dass die Menschen selbst prüfen und wählen können. „Für ihn gibt es keinen dogmatischen Rahmen, in den alles gezwängt werden muss. Angewandt wird alles, was uns bewusster macht – egal, ob es alte Yoga-Übungen sind, moderne humanpsychologische Therapien oder Oshos einmalige, eigens für uns entwickelte Methoden.“
Osho sagte: „Dieses ganze Leben ist eine einzige Wachstumschance, und darin besteht die wahre Religion, aber auch die wahre Psychologie – denn wahre Religion kann nichts anderes sein als wahre Psychologie.“ Er hat dies „Psychologie der Buddhas“ genannt. „Die fordert dich entschieden heraus, mehr zu sein, als du bist. Sie gibt dir eine göttliche Unzufriedenheit. Sie entzündet in dir das Verlangen, höher und immer höher zu steigen – nicht über andere, sondern über dich selbst hinaus.“
Das orangene Buch ist eine Sammlung von Meditationstechniken und enthält außerdem Auszüge und Zitate aus seinen Vorträgen. Einige der Meditationstechniken wie zum Beispiel die Neo-Vipassana, Nadabrahma und Whirling Meditation sind jahrtausendealte Methoden aus verschiedenen Traditionen. Andere, wie beispielsweise die Dynamische Meditation, die Kundalini-Meditation oder die Gourishankar Meditation, verbinden die Weisheit der alten Traditionen mit den Erkenntnissen der zeitgenössischen Psychologie. Osho hat diese beiden Elemente verbunden und auf diese Weise Meditationsformen entwickelt, die den Bedürfnissen der modernen Menschen entsprechen.
Laut Osho findet die eigentliche Meditation dann statt, wenn alle unsere Anstrengungen erschöpft sind und all diese Techniken überflüssig geworden sind. Erst dann können wir erkennen, dass dieses so unerreichbar scheinende „Hier und Jetzt“ ganz einfach hier ist, jetzt,
Meditieren ist wie eine Entdeckungsreise. Das unbekannte Land, das es zu entdecken gilt, ist dein eigenes Inneres.
Osho sagte:
„Alle Suche ist nutzlos. Die Suche ist nur eine Begleiterscheinung des Denkens. Sobald du im Zustand des Nicht-Suchens bist, ist der große Augenblick der Transformation da. Alle Meditationen, die wir machen, sind einzig und allein Vorbereitungen auf diesen Augenblick. Sie sind nicht wirkliche Meditationen, sondern nur Vorbereitungen, damit du eines Tages einfach dasitzen kannst, ohne etwas zu tun, ohne etwas zu wünschen.“
Und: „Wenn es um Meditation geht, musst du dich an eines erinnern: Es ist eine lange Reise, und es gibt keine Abkürzung. (…) Es ist eine lange Reise, denn die Veränderung geht sehr tief (…). Und die Struktur des Geistes – sie muss durch die Meditation abgelegt werden. In der Tat ist es fast unmöglich – aber es kommt vor.
Zum Meditierer zu werden, ist die größte Verpflichtung, die ein Mensch eingehen kann. Es ist nicht leicht. Es kann nicht von einem Augenblick auf den anderen geschehen. Erwarte also von Anfang an nicht viel, dann wirst du nie frustriert sein. Dann bleibst du immer glücklich, denn die Dinge entwickeln sich nur ganz, ganz langsam. Meditation ist keine Blume für nur einen Sommer, die in sechs Wochen ausgeblüht hat. Sie ist ein sehr großer Baum. Er braucht Zeit, um seine Wurzeln auszubreiten.
Wenn die Meditation blüht, ist niemand da, der davon Notiz nehmen könnte, der es erkennen könnte, keiner, der sagen könnte: ´Ja, das ist geschehen.` In den Augenblick, in dem du sagst: ´Ja, es ist geschehen`, ist es schon verloren. Wenn Meditation wirklich da ist, breitet sich eine Stille aus; ohne jeglichen Laut pulsiert eine Glückseligkeit; eine grenzenlose Harmonie ist da. Aber es ist niemand da, der davon Notiz nähme.
Wenn alle Mühe von dir abfällt, ist plötzlich Meditation da –
mit all ihrem Segen, mit all ihrer Glückseligkeit, mit all ihrem Glanz.
Sie ist da wie eine Präsenz – leuchtend –
sie umgibt dich und umgibt alles.
Sie erfüllt die ganze Erde und den ganzen Himmel.
Solche Meditation kann nicht durch menschliches Bemühen herbeigeführt werden;
menschliches Bemühen ist zu sehr begrenzt.
Dieses Gesegnetsein ist so unendlich – du kannst es nicht manipulieren.
Es kann nur dann geschehen, wenn du dich ganz und gar hingibst.
Wenn du nicht da bist, nur dann kann es geschehen.
Wenn du ein Nicht-Selbst bist, ohne Verlangen,
nirgendwo hin willst,
wenn du einfach hier und jetzt bist,
ohne etwas Besonderes zu tun,
einfach nur bist – dann geschieht es.
Und es kommt in Wellen und die Wellen werden zur Flut.
Es kommt wie eine Sturmflut und trägt dich davon in eine vollkommen neue Realität.“
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Osho: Das orangene Buch. Die Osho Meditationen für das 21. Jahrhundert. Köln 23. Auflage 2020
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