In meinem historischen, zu Studienzeiten gekauften und immer noch geliebten Buch „Himmlische Düfte“ aus dem Jahr 1990 beginnt Susanne Fischer-Rizzi das Kapitel über die Orange mit einem Zitat von Giovanni Delacasa: „Wer könnte traurig sein beim Anblick der lachenden Orangen, niedergeschlagen beim Duft ihrer zärtlichen Süße.“
Die Autorin ergänzt: „Zitrone und Orange gleichen einem Paar. Beide geben Energie. Die Zitrone verkörpert das männliche Prinzip als eine auf den Geist erfrischend und konzentrierend wirkende Kraft. Die Orange stärkt Gemüt und Herz, (…). Sie hilft, kraft ihres weiblichen Prinzips, die Dinge mit offenem Herzen zu sehen.“
Biologie
Der botanische Name der Orange lautet Citrus sinensis. Sie gehört zur Gattung der Zitruspflanzen in der Familie der Rautengewächse, Rutaceae. Ihr Ursprungsland ist China, heute wird sie v.a. in Brasilien, den USA, in Südamerika, Israel, Marokko, Griechenland, Südfrankreich, Sizilien und Spanien kultiviert. Der Orangenbaum ist ein kleiner, pyramidaler Baum. Seine Blätter sind eiförmig, immergrün, glatt und glänzend, die Blüten weiß und sie erscheinen einzeln oder in Rispen.
Die Essenz der Orange wird durch Kaltpressung aus den Schalen gewonnen. Aus 1000 Orangen erhält man 500 bis 600 Gramm Essenz. Diese ist sehr flüssig, hellgelb bis gelblich-braun; ihr Duft ist frisch, hell und fruchtig.
Allgemeine Wirkung
Werner charakterisiert die körperliche Wirkung des Orangenöls als „entzündungshemmend, durchblutungsfördernd, erwärmend, entkrampfend, lymphflussanregend“.
Geistig-seelisch wirkt das Orangenöl nach Fischer-Rizzi „erheiternd, anregend, harmonisierend, sinnlich, erwärmend“ und nach Werner „belebend, entspannend, aufhellend.“ Es wird nach ersterer angewendet bei „Traurigkeit, Bedürfnis nach Wärme, Verbissenheit, Ängstlichkeit, Nervosität.“ Sie führt aus: „Die Essenz aus der Schale der Orange ist warm, süß, sinnlich, strahlend und lebendig. Sie hilft in Situationen, in denen man vergessen hat, über Dinge zu lachen statt alles ernst zu nehmen. (…) Die Orangen-Essenz vermittelt Wärme, Heiterkeit und frische Unbeschwertheit. Sie nimmt die Angst vor dem Unbekannten und macht neugierig auf Neues. Sie ist ein Nerventonikum, das beruhigt, entspannt, aufbaut.
Spezifische Anwendungen
Als körperliche Wirkungen bzw. Anwendungen beschreibt Fischer-Rizzi: verdauungsanregend bei Verdauungsschwäche, Galle anregend bei Gallenstau, herzstärkend bei Herzspannen und -klopfen, Niere und Blase anregend bei Blasen- und Nierenerkrankungen, Fieber senkend und desinfizierend bei Zahnfleischentzündung.
Werner empfiehlt das Orangenöl bei Arthrose (Degenerativem Rheumatismus), da es „einen hohen Anteil an stark lipophilen Monoterpenen*“ besitzt, „die leicht die Zellmembran durchdringen und dadurch lokal eine antiphlogistische (entzündungshemmende) Wirkung ausüben“.
In der Gynäkologie verwendet Werner das Orangenöl bei Wasseransammlungen in den Beinen: „Orangenöl mit seinem schmeichelnden Duft ist ein beliebtes ätherisches Öl, das Mischungen einen belebenden Effekt verleiht. Gleichzeitig fördert es die Durchblutung und wirkt entstauend“.
Fischer-Rizzi erwähnt eine beruhigende, entstauende und aufbauende Wirkung auf die Haut, besonders bei Cellulitis, trockener und gereizter Haut, „Altershaut“, spröder und verhornter sowie schlecht durchbluteter Haut.
In der Pflege empfiehlt Werner das Orangenöl wegen seiner durchblutungsfördernden und entstauenden körperlichen sowie aufhellend-belebenden psychischen Wirkung bei Lymphstau nach operativen Eingriffen und Brustamputationen. In ihrem Buch findet sich ein Rezept für ein Lymphmassageöl mit einer Mischung aus Orangen-, Immortellen-, Lavendel und Mastix-Öl auf der Grundlage von Hagebuttensamen- und süßem Mandelöl.
VORSICHT
Auf empfindlicher Haut kann das Orangenöl bei Sonneneinstrahlung Irritationen hervorrufen, schreibt Fischer-Rizzi. Monika Werner warnt davor, dass Orangenöl „in zu hoher Dosierung (> 1%) empfindliche Haut reizen“ kann.
Küche
In der Küche wird das Öl der Orange für Süßspeisen jeder Art verwendet – Kuchen, Gebäck, Eis, Pudding. Es aromatisiert Limonaden und Liköre wie den Grand Marnier und verfeinert im Winter den Glühwein.
Aufbewahrung
Übrigens sollte Orangenöl – wie alle Zitrusöle – nicht an warmen Plätzen aufbewahrt werden. „Größere Mengen gehören in den Kühlschrank“ (Fischer-Rizzi).
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* lipophil: fettliebende, i.d.R. wasserabweisende Substanz/Terpene: flüchtige, organische Substanzen, die aus zahlreichen Pflanzen gewonnen werden/Monoterpene: bestehen aus zwei speziellen Einheiten und besitzen eine Summenformel
Text-Quellen:
Susanne Fischer-Rizzi: Himmlische Düfte, München 1990
Monika Werner: Mind-Maps Aromatherapie, Stuttgart 2013 (2. Auflage)
Bild-Quelle: Pixabay