Der Australier Matthew Johnstone ist durch seine beiden Bücher über Depressionen – „Mein schwarzer Hund“ und „Mit dem schwarzen Hund leben“ bekannt. Er hat außerdem noch über andere Themen geschrieben, zum Beispiel:
Matthew Johnstone:
Resilienz. Wie man Krisen übersteht und daran wächst.
München 2015
Der Autor
Matthew Johnstone wurde 1964 geboren und arbeitete jahrelang in renommierten Werbeagenturen in Sydney, San Francisco und New York. Heute ist er als Autor, Illustrator, Fotograf, Redner und als Kreativdirektor für das australische Black Dog Institute tätig, einer einzigartigen Non-Profit-Einrichtung, die sich um die Behandlung und Vorbeugung von Depressionen kümmert. Seit vielen Jahren beschäftigt sich Johnstone intensiv mit den Themen Depression, psychische Gesundheit und Wohlbefinden. Er lebt zusammen mit seiner Frau und zwei Töchtern in Sydney.
Aus dem Klappentext
„Um Krisen zu meistern und nicht daran zu zerbrechen, sondern zu wachsen, braucht man ´Resilienz`. Was Resilienz bedeutet, wie man diese unsichtbare Kraft entwickeln und aufrechterhalten kann, das zeigt Matthew Johnstone auf unnachahmliche Art und Weise: mit wunderbaren, ganz unmittelbar wirkenden Illustrationen und überzeugenden Texten, mit großer Wärme und klugem Witz.“
Buch
Matthew Johnstone schreibt im Vorwort: „Schalten Sie den Fernseher an, ganz gleich wann, ganz gleich welcher Kanal, und Sie erleben garantiert jemanden, der gerade ein bizarres, schreckliches, lebensbedrohliches, beinahe tödliches Ereignis überstanden hat. Die Betroffenen stehen dann oft an einem Scheideweg, die Karten werden neu gemischt, sie ziehen Bilanz, fragen sich, was ihnen wirklich wichtig ist, und ändern ihr Leben entsprechend.
Ich glaube, dass ich im Leben ganz schön viel Glück hatte, aber es gab auf meinem Weg auch ein paar entscheidende Momente. Nach einem massiven Asthmaanfall war ich klinisch tot und wurde wiederbelebt. Ein Freund und ich wurden überfallen, ihm hat man die Vorderzähne ausgeschlagen und mich verfolgte ein Typ mit Messer, der drohte, mich umzubringen. Ich stand einen Block weit weg, als das World Trade Center einstürzte. Und während meines ganzen Erwachsenenlebens kämpfte ich immer wieder mit Depressionen, die ich zum Glück überwand.
All diese Ereignisse waren schrecklich, schmerzlich und beängstigend, aber sie machten aus mir den Menschen, Vater, Ehemann und Freund, der ich heute bin. Keines würde ich gerne noch einmal erleben, aber ich würde auch nichts daran ändern wollen – vor allem, weil ich es gar nicht kann. All diese Erlebnisse haben mir die Augen geöffnet für das, was mir im Leben lieb und teuer ist.
Viktor Frankl, der wie durch ein Wunder fünf Jahre Konzentrationslager, darunter Auschwitz, überlebte, schrieb in ´Der Mensch auf der Suche nach dem Sinn`, dass wir im Grunde kaum steuern können, was in unserem Leben geschieht, sehr wohl aber, wie wir auf diese Ereignisse reagieren.
Genau darum geht es in diesem Buch. Wir alle haben unsere Geschichte. Wir haben unser Leben – mit seinen Höhen und Tiefen. Wir alle haben die Kraft, Schwierigkeiten zu überwinden und an unseren Erfahrungen zu wachsen.
Egal was in Ihrem Leben gerade los ist – ich hoffe sehr, dass dieses Buch Sie inspiriert, aufbaut, Ihnen Orientierung bietet und Sie zum Lächeln bringt. Und ich hoffe, dass es Sie bei guter Gesundheit findet, wo immer Sie sein mögen.“
Inhalte
Das kleine Buch der Resilienz, wie es im Original heißt, führt auf rund 100 farbig illustrierten Seiten in die Kraft ein, mit der man Krisen nicht nur übersteht, sondern auch an ihnen wächst.
Noch vor dem Vorwort finden sich eine Begriffsdefinition, eine Widmung und ein Dank sowie ein witziges kleines Intro zum Thema innerer Friede.
In Teil I erklärt der Autor, worum es bei der Resilienz geht: „(…) darum, schwierigen Ereignissen im Leben mit einer gewissen Flexibilität und Akzeptanz begegnen zu können. Dabei ist es weniger entscheidend, was Ihnen wirklich zustößt, als, wie Sie darauf reagieren – und wie Sie darüber hinwegkommen.“ Es schildert die Höhen und Tiefen des Lebens, das nicht immer nach Plan läuft, das nicht immer gerecht ist und in dem es keine Sicherheiten gibt. Dabei gibt er einen wichtigen Hinweis: „Ganz entscheidend ist, dass Resilienz nicht nur dadurch entsteht, dass man etwas Unglückliches durchmacht. Kraft und innere Stärke bauen wir auch durch harte positive Erlebnisse auf – eine Bergbesteigung, ein Examen, eine Geburt, einen Marathonlauf und so weiter.“ Johnstone beschreibt, wie wir etwas überwinden und kreiert den Begriff der „posttraumatischen persönlichen Reifung (PPR)“. Er wendet sich vehement gegen schauspielern mit „Strahlemaske“ im Gesicht: „Wenn wir die Hälfte der Energie, die wir ins Verschleiern stecken, dafür aufwenden würden, unsere Probleme zu verstehen und zu bewältigen, würden wir sie viel schneller hinter uns lassen und uns mit dem beschäftigen können, was vor uns liegt.“ Dabei geht es auch um Authentizität und Verletzlichkeit, um Hilfe bitten, sich aussprechen und loslassen.
Weiterhin zeigt Matthew Johnstone eine konstruktive und nachhaltige Problemlösestrategie auf, deren erster Schritt in dem Eingeständnis besteht, überhaupt ein Problem zu haben. Dafür ist Ehrlichkeit vonnöten, sich selbst und anderen gegenüber. Es folgt ein schöner Slogan: „Ich habe meine Probleme in der Hand. Doch ich bin nicht in der Hand meiner Probleme.“ Auf einer Doppelseite des Buches findet sich ein sehr schöner Wort-Bild-Exkurs zum Thema Geduld, wobei mich die Edelstein-Illustration sehr anspricht: „Geduld ist dabei von entscheidender Bedeutung. Heutzutage muss immer alles ruckzuck erledigt sein und dasselbe erwarten wir bei Schwierigkeiten. Das Geheimnis besteht darin, das Problem in überschaubare Brocken zu zerlegen. Bei diesem Vorgang wird der eine oder andere Edelstein zu Tage gefördert. Diese Edelsteine können Liebe und Unterstützung sein, die wir zuvor nicht wahrgenommen haben. Oder eine innere Stärke, von der wir nichts wussten. Eine neue und bessere Art, uns mitzuteilen. Und wertvolle Einsichten und Erkenntnisse über uns und andere.“
Der Autor kommt wieder auf den Aspekt der Ehrlichkeit zurück: „Es mag nicht unmittelbar einleuchten, aber es beschert einem wirkliche Stärke zu lernen, verletzlich, authentisch und unverstellt zu sein. Das kann eine echte Herausforderung sein, denn ein Leben lang haben wir an unserer Strahlemaske gebastelt, an unseren Abwehrmechanismen, den Taschenspielertricks und dem schönen Schein. Wenn wir offenherzig sind und lernen, aufrichtig zu sein, dann gibt es nichts mehr, wohinter wir uns verstecken können. (…). Verletzlichkeit am richtigen Ort ist nicht nur befreiend, sondern wunderbar heilsam.“
Als weiteren zentralen Aspekt beschreibt Johnstone „Selbstmitgefühl“ – „Mitgefühl mit sich und den eigenen Erlebnissen.“ Es geht darum, „sich nicht selbst dafür fertigzumachen, dass man sich schlecht fühlt, Schmerzen hat oder nicht klarkommt.“ Es geht vielmehr darum, „behutsam und freundlich“ mit sich umzugehen und sich etwas Gutes zu tun. Und Fakten klar von Gedanken, dem Kopfkino, zu unterscheiden. Im Umgang mit unangenehmen Gedanken, Gefühlen und Ängsten ist es eine zielführende Strategie, sie zu akzeptieren, statt sie zu vermeiden. Natürlich gibt der Autor Hinweise, wie das konkret gelingen kann und was zu tun ist, wenn nichts mehr geht.
Teil II beschäftigt sich damit, wie man Resilienz aufbaut, entwickelt und fördert – „all die Dinge, die Resilienz und Wohlbefinden aufzubauen helfen, sind genau die, die wir ständig zu tun vergessen. Für ein geistig und körperlich belastbares Leben brauchen wir eine Art ´Lebens-Managementmund die Disziplin, das zu tun, was uns guttut und Kraft gibt.“ In diesem zweiten Teil geht es um ganz konkrete Punkte wie:
Sport – „Laufen Sie um Ihr Leben“,
gesundes Essen,
den Verzicht auf Selbstmedikation,
guten Schlaf,
richtiges Atmen,
sich in einer größeren Sache einbringen,
etwas Neues ausprobieren,
digitales Abschalten,
Musik erleben/machen/hören,
in guter Gesellschaft sein,
verzeihen lernen,
Lieblingsaktivitäten tun,
meditieren und die Kunst der Achtsamkeit erlernen,
Dankbarkeit üben,
die Kunst der Kommunikation lernen,
sich ein Ziel setzen,
sich loben,
anderen helfen
und sich insgesamt nicht unterkriegen lassen.
Das Buch endet mit einer Liste von einigen inspirierenden Menschen, die „unfassbare Schwierigkeiten überwunden“ haben, darunter zum Beispiel Frida Kahlo oder Nelson Mandela. Es folgt eine kleine Auswahl weiterer Informationen zu den Aspekten Depression und psychische Gesundheit, besser schlafen, gesunde Ernährung, Drogen und Alkohol, Meditation und Achtsamkeit, Sport und soziales Engagement. Ganz zum Schluss finden sich noch drei linierte Seiten für Notizen und ein Hinweis auf weitere Bestseller des Autors.
Fazit
Dies ist nicht das erste und sicher auch nicht das letzte Buch des Autors, das ich hier bespreche. Ich mag einfach seinen Ansatz. Matthew Johnstone liefert fundierte Aussagen, verpackt sie aber derartig kompakt, witzig, griffig, frisch und warmherzig in Texten und Bildern, dass es einfach Spaß macht. Auch sind seine Bücher rein äußerlich ein haptisches Vergnügen: griffig, kompakt, angenehm anzufassen. Viele der bebilderten Seiten könnte man sich einfach an den Kühlschrank oder die Pinnwand heften, so aussagekräftig und eingängig sind sie. Und nicht zuletzt liefert dieses Buch kein theoretisches oder abgehobenes Blabla, sondern ganz konkrete Punkte für ganz konkrete Menschen mit ganz konkreten Leben und ggf. Problemen. Das hier ist also eine ganz konkrete Empfehlung!
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Foto: Pixabay