Enttäuschungen sind unvermeidbar
Ganz tief trifft dich,
wenn du geliebt hast und enttäuscht wirst.
Du hast dich selbst getäuscht,
weil die Täuschung deiner Empfindsamkeit
angenehmer ist
als die Härte der Wahrheit.
Du hast dein ganzes Leben hineingegeben,
und mit Erschrecken stellst du fest,
dass der andere dich nicht so zurückliebt.
Du bist verschmolzen und stehst jetzt frierend da.
Du hast dich hautlos gemacht,
so dass alles ins Herz trifft und dich verletzt.
Du leidest am Leben selbst.
Du benennst nicht, was schmerzt,
sondern bleibst im nebelhaften Unglück.
Du fühlst dich unverstanden,
begibst dich in die Rolle des Opfers
und meinst, ausgenutzt worden zu sein.
Du versuchst, Wirklichkeit und Illusion voneinander zu trennen.
Wenn du dich aus der Rolle des Opfers herausarbeitest,
machst du dein Leben zu einem Kunstwerk.
Du wirst weise in der Überwindung des Vorgegebenen.
Dein Mitfühlen bekommt Gewicht.
Du gehst weit über das Mitleid hinaus,
wirst tatkräftig und gelangst auf deinem Weg in ungeahnte Höhen.
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Ulrich Schaffer mit Waltraud Schafer: Im Zeichen Fische. Der Weg des Mitgefühls. Freiburg im Breisgau 2004
Foto: Pixabay